Guten Morgen liebe Sorgen
... seid ihr auch schon alle da, habt ihr auch so gut geschlafen, na dann ist ja alles klar. Das ging mir zwar heute morgen nicht als
erstes beim Aufwachen durch den Kopf, aber es war etwas ähnliches. Nämlich ein lautes innerliches Schreien, NEIN - tu mir das bitte nicht an!!! Ich war noch nicht wirklich wach und trotzdem
packte mich die Angst, daß mein Freund sich zurückzieht und ich nichts dagegen tun kann.
Routine
Routiniert erledigte ich mein morgendliches Pflichtprogamm und fand mich nach kurzer Zeit dann vor meinem PC wieder. Ich schrieb meinem "verschollenem" Freund eine
Email, in der ich nochmal liebevoll auf ihn einging. Auch schrieb ich ihm im Online-Portal, wo wir uns ursprünglich kennengelernt haben - ich hoffte, daß er vielleicht zwischenzeitlich
geantwortet hatte. Fehlanzeige.
Tröstende Worte & Email für mich
Meine Mutter rief mich an, um sich nach mir und meinem Gesundheitszustand zu erkundigen. Meine Schmerzen im Ohr waren tatsächlich fast weg, aber das dumpfe Gefühl,
dieses allgemeine Unwohlsein, waren immernoch zugegen. Als wir so plauderten, erzählte ich ihr vom gestriegen Abend und mir kamen die Tränen. Dann bekam ich eine Email. Mir stockte der Atem und
ich las die Zeilen, die von meinem Freund an mich gerichtet waren. Er sei krank, sein Kreislauf spinnt, hat nicht gut geschlafen, Flimmern und Kopfweh. Seit gestern Nachmittag ginge es schon so
und als ich ihn versucht hatte zu erreichen, hatte er gerade mit seiner Mutter telefoniert. Danach hatte er seine Telefone runtergedreht, damit er seine Ruhe hat. Dann schrieb er noch, er sei
sehr verärgert, ihm ginge es auch nicht gut und er brauch seinen Freifraum. Hätte sogar seine Mutter am Telefon angeschnauzt, weil seine Nerven blank liegen. Ein kurzes Sorry, ich möchte nichts
mehr schreiben, ich sehe fast nichts, beendete die Mail.
Autsch
Ich fühlte mich wie vor den Kopf geschlagen - nein, eher getreten. Da geht es meinem Schatz nicht gut und statt davon zu erfahren um ihm beistehen zu können - sei
es nur aus der Ferne - kommt eine Mail, die ich mir doch sehr zu Herzen nehme und ich wieder mal mir die Schuld gebe bzw. danach suche, was ich falsch gemacht haben könnte. Dieses "mir geht es
auch nicht gut", kam so rüber, als müßte ich ein schlechtes Gewissen haben, daß ich a) eine Mittelohrentzündung habe und b) nunmal in einer schweren Lebenslage irgendwie zurecht kommen
muß.
Feedback
Natürlich hätte ich ihn mir am liebsten mal vorgeknöpft und ihn gefragt, was er sich dabei denkt, so mit meinen Gefühlen zu spielen, mich in Unwissenheit fast verrückt werden
zu lassen und mich dann auch noch so zu überfahren mit seiner Email. Aber das war mein anderes ich. Das ich, was das Sagen hat, schrieb eine liebevolle Email, daß es mir leid tut, daß es ihm
nicht gut geht und er sich auskurieren soll. Er sich bei mir melden soll, wenn ich ihm etwas gutes tun kann oder ihm einfach danach ist. "Ich bin in Gedanken bei Dir" "Gute Besserung" und ein
virtuelles Küsschen folgten. Das war alles, was ich ihm schrieb - Ich habe panische Angst, etwas falsches zu schreiben, was ihn noch mehr verärgern könnte. Klar, ich möchte auch meinen Kummer
loswerden. Aber die Angst, daß er mir dann böse ist, ist einfach so groß geworden.
Mütter-Ratschläge
Ich versuchte dann seine Mutter zu erreichen - irgendwie wußte
ich nicht wirklich, was ich sagen sollte, ich erzählte ihr kurz, daß es ihm nicht so gut geht und er sich zurückzieht. "Wenn es nicht sein soll, dann soll es nicht sein, erzwinge nichts..." Ich
verstehe mich sehr sehr gut mit seiner Mutter, überhaupt mit seiner Familie. Es war für mich zumindest schon mal ein kleiner Trost in meiner Situation, die derzeit nur noch aus Verlustängsten
besteht.
Beschäftigungstherapie
Den restlichen Tag verbrachte ich damit, daß ich mich einem meiner Hobbies widmete - nicht aus Leidenschaft, eher aus Verzweifelung und Ablenkung. Ich stürzte mich
in die Bildbearbeitung mit dem Thema, aus einem Foto ein Öl-Gemälde zu basteln. Nach stundenlanger Arbeit war mein Werk dann fertig. Munter verteilte ich es an meine Mutter, meine Schwester und
an meinen besten Freund in Hamburg.
Abendstimmung
Nun ist es wieder dunkel draußen und diese Einsamkeit kriecht hervor. Mein Noch-Ehemann hat heute auch nicht angerufen. Er weiß doch, daß ich krank bin. Gestern
hatte er noch angerufen um mir zu sagen, daß noch eine Rechnung offen ist. Heute. Kein Mucks. Ich hänge irgendwie noch an ihm - irgendwie aber auch nicht, gerade weil ich durch meinen
Seelenpartner erfahren habe, was Liebe eigentlich heißt, obwohl momentan mehr Kummer zwischen uns ist als alles andere. Wie passend, denn mindestens genauso viel Kummer habe ich mit meinem
Noch-Ehemann. Zwar auf anderer Ebene, aber Kummer ist letztendlich Kummer. Er frißt bzw. läßt mich eben nicht "fressen". Mit Mühe und Not habe ich heute 1 Kloß & Soß von gestern gegessen und
abends 2 Scheiben Brot.
Aussichten
Was wird mir der restliche Abend noch bringen? Nicht viel, außer Gedanken, wie ich alles besser machen kann, wie ich den Mann, den ich so sehr und innig liebe, zu
verstehen geben kann, daß ich für ihn da bin, ich aber genauso seine Nähe und Liebe brauche.
Panthera Tigris
Ereignisse aus dem öffentlichen Leben:
Hessen darf sich auf Neuwahlen freuen. SPD & CDU sprechen sich für die Auflösung des Landtags aus. Schön, wie die Politiker mal wieder mit
unseren Geldern umgehen, denn auch Neuwahlen kosten Geld.
Ein Test, was ich für Liebe tun würde:
| You Would Do Most Things For Love |
You are willing to go pretty far for love - but not far enough to compromise your core values. |
Übersetzung:
Du machst fast alles für die Liebe
Du bist bereit für die Liebe ziemlich weit zu gehen - aber
nicht so weit, daß die eigenen Kernwerte bloßgestellt werden. Liebe hat für Dich eine hohe Priorität und Du gehst weiter als manch anderer gehen würde für den Menschen den er liebt. Aber
für die Liebe töten? Oder gar eine Gewehrkugel abfangen? Definitiv steht dieses außer Frage. Was auch immer, Du liebst Dich selbst am meisten.
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