Ich wachte heute wieder mit Tränen in den Augen auf. Eingehüllt in meiner Traurigkeit, stand ich auf und
begann den Tag. Ich rief wieder meine Ma an und teilte ihr mit, daß ich die Nacht einigermaßen überstanden hatte. Es war am Vorabend wieder zu recht heftigen emotionalen Ausbrüchen gekommen.
Nichts neues, oder? Meine Birdies versorgte ich anschließend – zumindest schien bei denen die Welt in Ordnung zu sein.
Trost
Ich schrieb viel an meinem Blog weiter und dachte immer wieder an meinen Schatz. Heute sind wir... wären
wir... 13 Monate zusammen... Dann fiel mir ein, daß ich meine Versichertenkarte noch gar nicht in meine Geldbörse zurückgesteckt hatte. Also suchte ich in den Taschen nach ihr, die ich noch aus
der Klinik im Flur stehen hatte und noch nicht ausgeräumt hatte. Tja und dann die Erkenntnis. Sie war nicht vorhanden. Ich brauchte sie jedoch, weil ich am Nachmittag einen Termin bei meine
Psycho-Doc hatte. Also rief ich im Hotel „zur lockeren Schraube“ an. Man hätte mir die Karte bereits nachgesendet. Gut. Zumindest denken die mit. Kurz darauf fuhr ich dann zu meiner Ma. Wieder
mal um etwas zu Mittag zu essen. Ich setzte mich in den Garten auf die kleine Mauer, die den Weg am Haus vom Rasen abtrennt. Ich starrte auf das Nachbargrundstück und ich merkte wieder, wie mir
die Tränen die Wange hinunter kullerten. Meine Collie-Hündin versuchte mich zu trösten, in dem sie sich ganz nah zu mir hersetzte, sich anschmiegte, ihre Ohren nach hinten legte und mich
anschaute. Was mochte sie wohl denken? Fühlen? Sie nahm mich nur noch als sehr traurig in letzter Zeit wahr.
Past, Present…
Es wurde später und es war Zeit, daß ich mich auf den Weg zu meinem Pschyo-Futzi-Termin machte. Ich fuhr
wie immer die gleiche Strecke. Diesmal war es aber anders, denn ich mußte an der Stelle am alten Kanal vorbei, wo ich mit meinem Schatz mal zum Joggen gestartet bin. Ich stockte einen Moment –
fuhr dann weiter. Wieder rissen mich die Erinnerungen mit. Es war ein Spießrutenlauf. Einerseits schöne Erinnerungen und gleichzeitig aber auch dieser Schmerz. Das Gespräch bei meinem Doc war
sehr einseitig. Ich erzählte, weinte. Er sah ebenfalls sehr betroffen aus, denn er kannte mich seit 2005 sehr gut. Wie ich denke, reagiere, was mir gefällt, was nicht. Er kannte die ganze
Geschichte mit meinem Schatz – alles. Meine Ängste und die Ursachen. Er bekam jede Phase mit, wo ich glücklich war. Mit Euphorie erzählte ich ihm immer wieder, wie gut mir mein Schatz tut, was
wir erlebt haben. Eigentlich war es kein wirkliches Therapie-Gespräch mehr – es war eher ein Teilen meines Glücks in den letzten 12 Monaten. Er freute sich sehr für mich, er sah, wie ich immer
mehr zu der Frau zurückfand, die ich einst mal war. Und nun… der Donnerschlag. Das Ende von Avalon. Dead and Gone. Ich war verheult, er war schockiert, versuchte es sich nicht anmerken zu lassen
– klar – es ist sein Job neutral zu bleiben – sachlich die Dinge zu sehen. Aber das überstieg auch seine Fachkompetenz. Er gab mir aber noch die Worte auf den Weg: … ich kenne sie, ich weiß das
sie den Mann, den sie lieben, ihren Freund, niemals betrügen könnten… ich glaube ihnen und das nicht weil sie meine Patientin sind, sondern weil sie ein astreines psychologisches Profil
aufweisen… Ich überlegte mir, ob er mir das nicht schriftlich geben könnte – aber was sollte das bringen. Ein „Beweis“, der dann wieder als Überredungstaktik ausgelegt werden könnte? Nein. Da war
meine Angst zu groß.
Klinik-News
Als ich wieder daheim war, hockte ich mich wieder vor meine PC und wartete auf den Anruf meiner Ma, die
zwischenzeitlich mit einer Nachbarin zu meiner Schwester in die Reha-Klinik gefahren ist. Meine liebe Schwester mußte heute 4 Stunden im Rollstuhl ausharren. Sie dachte, daß meine Ma die Hunde
mit dabei hatte und sie wollte so schnell wie möglich die Hunde sehen. Die Enttäuschung war entsprechend groß, denn meine Ma konnte die Hunde nicht mitnehmen, da die Nachbarin nur einen 2-Sitzer
hatte. Ansonsten machte sie weiterhin große Fortschritte und hat an diesem Tag auch einen Obstbrei zu sich nehmen können. Meine Ma erzählte ihr dann nochmal, was so alles passiert ist, als sie im
Koma lag.
From day to night
Ich führte danach noch ein kurzes Telefonat mit meinem besten Kumpel und gab auch ihm den neuesten Stand meiner Schwester durch. Später schrieb ich an meinem Blog weiter und hörte „Alter Bridge“; versank in Gedanken, bis ich totmüde, irgendwann mitten in der Nacht in mein Bett schlupfte, mein großes Stoffkrokodil fest an mich drückte und mir wünschte, daß ich endlich aus diesem quälenden Alptraum aufwache.
Panthera Tigris
Kommentar hinzufügen - Kommentare (0) - empfehlen

