Donnerstag, 14. mai 2009 4 14 /05 /2009 15:43




Ich wachte heute wieder mit Tränen in den Augen auf. Eingehüllt in meiner Traurigkeit, stand ich auf und begann den Tag. Ich rief wieder meine Ma an und teilte ihr mit, daß ich die Nacht einigermaßen überstanden hatte. Es war am Vorabend wieder zu recht heftigen emotionalen Ausbrüchen gekommen. Nichts neues, oder? Meine Birdies versorgte ich anschließend – zumindest schien bei denen die Welt in Ordnung zu sein.



Trost

Ich schrieb viel an meinem Blog weiter und dachte immer wieder an meinen Schatz. Heute sind wir... wären wir... 13 Monate zusammen... Dann fiel mir ein, daß ich meine Versichertenkarte noch gar nicht in meine Geldbörse zurückgesteckt hatte. Also suchte ich in den Taschen nach ihr, die ich noch aus der Klinik im Flur stehen hatte und noch nicht ausgeräumt hatte. Tja und dann die Erkenntnis. Sie war nicht vorhanden. Ich brauchte sie jedoch, weil ich am Nachmittag einen Termin bei meine Psycho-Doc hatte. Also rief ich im Hotel „zur lockeren Schraube“ an. Man hätte mir die Karte bereits nachgesendet. Gut. Zumindest denken die mit. Kurz darauf fuhr ich dann zu meiner Ma. Wieder mal um etwas zu Mittag zu essen. Ich setzte mich in den Garten auf die kleine Mauer, die den Weg am Haus vom Rasen abtrennt. Ich starrte auf das Nachbargrundstück und ich merkte wieder, wie mir die Tränen die Wange hinunter kullerten. Meine Collie-Hündin versuchte mich zu trösten, in dem sie sich ganz nah zu mir hersetzte, sich anschmiegte, ihre Ohren nach hinten legte und mich anschaute. Was mochte sie wohl denken? Fühlen? Sie nahm mich nur noch als sehr traurig in letzter Zeit wahr.



Past, Present…

Es wurde später und es war Zeit, daß ich mich auf den Weg zu meinem Pschyo-Futzi-Termin machte. Ich fuhr wie immer die gleiche Strecke. Diesmal war es aber anders, denn ich mußte an der Stelle am alten Kanal vorbei, wo ich mit meinem Schatz mal zum Joggen gestartet bin. Ich stockte einen Moment – fuhr dann weiter. Wieder rissen mich die Erinnerungen mit. Es war ein Spießrutenlauf. Einerseits schöne Erinnerungen und gleichzeitig aber auch dieser Schmerz. Das Gespräch bei meinem Doc war sehr einseitig. Ich erzählte, weinte. Er sah ebenfalls sehr betroffen aus, denn er kannte mich seit 2005 sehr gut. Wie ich denke, reagiere, was mir gefällt, was nicht. Er kannte die ganze Geschichte mit meinem Schatz – alles. Meine Ängste und die Ursachen. Er bekam jede Phase mit, wo ich glücklich war. Mit Euphorie erzählte ich ihm immer wieder, wie gut mir mein Schatz tut, was wir erlebt haben. Eigentlich war es kein wirkliches Therapie-Gespräch mehr – es war eher ein Teilen meines Glücks in den letzten 12 Monaten. Er freute sich sehr für mich, er sah, wie ich immer mehr zu der Frau zurückfand, die ich einst mal war. Und nun… der Donnerschlag. Das Ende von Avalon. Dead and Gone. Ich war verheult, er war schockiert, versuchte es sich nicht anmerken zu lassen – klar – es ist sein Job neutral zu bleiben – sachlich die Dinge zu sehen. Aber das überstieg auch seine Fachkompetenz. Er gab mir aber noch die Worte auf den Weg: … ich kenne sie, ich weiß das sie den Mann, den sie lieben, ihren Freund, niemals betrügen könnten… ich glaube ihnen und das nicht weil sie meine Patientin sind, sondern weil sie ein astreines psychologisches Profil aufweisen… Ich überlegte mir, ob er mir das nicht schriftlich geben könnte – aber was sollte das bringen. Ein „Beweis“, der dann wieder als Überredungstaktik ausgelegt werden könnte? Nein. Da war meine Angst zu groß.



Klinik-News

Als ich wieder daheim war, hockte ich mich wieder vor meine PC und wartete auf den Anruf meiner Ma, die zwischenzeitlich mit einer Nachbarin zu meiner Schwester in die Reha-Klinik gefahren ist. Meine liebe Schwester mußte heute 4 Stunden im Rollstuhl ausharren. Sie dachte, daß meine Ma die Hunde mit dabei hatte und sie wollte so schnell wie möglich die Hunde sehen. Die Enttäuschung war entsprechend groß, denn meine Ma konnte die Hunde nicht mitnehmen, da die Nachbarin nur einen 2-Sitzer hatte. Ansonsten machte sie weiterhin große Fortschritte und hat an diesem Tag auch einen Obstbrei zu sich nehmen können. Meine Ma erzählte ihr dann nochmal, was so alles passiert ist, als sie im Koma lag.



From day to night

Ich führte danach noch ein kurzes Telefonat mit meinem besten Kumpel und gab auch ihm den neuesten Stand meiner Schwester durch. Später schrieb ich an meinem Blog weiter und hörte „Alter Bridge“; versank in Gedanken, bis ich totmüde, irgendwann mitten in der Nacht in mein Bett schlupfte, mein großes Stoffkrokodil fest an mich drückte und mir wünschte, daß ich endlich aus diesem quälenden Alptraum aufwache.

 


Panthera Tigris


von Panthera Tigris - veröffentlicht in: mein Tag, mein Leben - Community: Alltagswahnsinn
Kommentar hinzufügen - Kommentare (0) - empfehlen
Donnerstag, 14. mai 2009 4 14 /05 /2009 14:07




 

 

Der Tag begann, ich drehte und wälzte mich im Bett. Wieder war eine unruhige, fast schlaflose Nacht vorüber. Die letzten Wochen hatte ich so gut wie nie durchgeschlafen. Bin immer wieder aufgewacht, schwer eingeschlafen. Gedanken. Dann das Ritual, welches jeden Morgen über mich hereinbricht. Tränen. Natürlich versuche ich dagegen zu kämpfen, aber es geht nicht. Ich bin machtlos. Es gelingt mir einfach nicht. Ich kenne das nicht von mir. Es ist als würde ich gar nicht Herr meiner selbst sein. Das macht mir Angst.



Why does my heart feels so bad

Auch an diesem Morgen telefonierte ich mit meiner Ma und mit meinem besten Kumpel. Langsam raffte ich mich danach auf, trank meinen Kaffee, versorgte meine Vögel und checkte meine Mails. Wie sinnlos. Ich hoffte noch immer auf ein Lebenszeichen von meinem Schatz. Nichts. Ich loggte mich auch nicht mehr auf der Seite ein, wo wir uns kennen – lieben – gelernt hatten. Jedes noch so kleine „Etwas“ löste in mir wieder diese Welle der Traurigkeit und Trauer aus. Es fühlte sich so an, als wäre ein Teil von mir gestorben. Ein sehr großer und wichtiger Teil. Wieder hatte ich nicht die Möglichkeit mich zu verabschieden von diesem Teil. Ich wünschte, ich könnte meinen Schmerz rausschreien und mich ihm so entledigen. Aber so laut und oft ich auch schreie, so weh mir das alles tut, es klappt nicht.



Against all odds

Ich verbrachte den Vormittag am PC – ziemlich zerstreut mit meinen Gedanken und mit dem Gefühl der Sinnlosigkeit in mir. Himmel, wann hört das endlich auf? Wie lange soll das noch so weitergehen? Es ist einfach nicht fair. Eigentlich müßte es ihm so dreckig gehen wie mir – er ist doch derjenige, der das ganze angerichtet hat?! – Aber wie immer, kann ich einfach keine Wut gegen ihn aufbauen. Es geht ums Verrecken nicht.



Meanwhile

Zwischendurch kam meine Nachbarin vorbei und fragte noch, ob die Vorgelversorgung so ok war. Behutsam brachte ich ein wenig Kritik an. Gegen 14.30 Uhr fuhr ich dann zu meiner Ma. Ich saß etwas im Garten und kämpfte wieder gegen meine Traurigkeit und meine Tränen. Ich versuchte ein wenig zu essen und trank einen Latte Macchiato. Es half nicht wirklich. Ich entschloss mich dann wieder heim zu fahren um an meinem Blog weiterzuschreiben, mit dem ich ja noch immer hinterher hing.



Dust in the dark

Der Tag ist schnell erzählt. Es war ein Tag wie die anderen auch. Tränen, Selbstvorwürfe, Selbstzweifel, Verzweiflung. Ich fühlte mich wieder so leer und einsam. Wie konnte ich es zulassen, daß ein Mann – DER Mann, mich so verletzte. Wie konnte ich es zulassen, daß ich ihm mein schutzloses Herz so darbot. Wie konnte ich es zulassen, daß er es mir heraus reißt und es auf die bestialischte Art und Weise zerstört…. Und nicht nur mein Herz – auch meine Seele. Wie konnte ich? Die Antwort war ganz einfach. Wahre Liebe erfährt nur, wer fähig ist, sein Herz in die Hände eines Menschen zu legen. Das Risiko, daß dieser Mensch das kostbarste was man besitzt nicht achtet oder gar fallen läßt, ist natürlich sehr hoch. Es ist nun an mir, daß ich mein Herz aufsammel, aus dem Dreck aufsammel, es vorsichtig sauber mache und die Narben versorge. Derzeit bin ich aber nicht mal in der Lage, zu sehen, wo er mein Herz hingeworfen hat. Es ist irgendwo da draußen. Liegt im Dreck, im Dunkeln, verletzt…und verblutet langsam.

 


Panthera Tigris

 


von Panthera Tigris - veröffentlicht in: mein Tag, mein Leben - Community: Alltagswahnsinn
Kommentar hinzufügen - Kommentare (0) - empfehlen
Donnerstag, 14. mai 2009 4 14 /05 /2009 13:34




Ich wachte auf und wieder war es so, wie so oft in den letzten Tagen… Wochen. Wieder wischte ich mir die Tränen aus dem Gesicht und sah zu, daß ich kultiviert zum Speisesaal ging. Heute sollte es mein letztes Frühstück sein, daß ich in dieser Klinik einnahm. Auch diesmal hatte ich das Vergnügen von Mitpatienten „verfolgt“ zu werden. Ich versuchte auch diesmal, daß einfach zu ignorieren, was mir halbwegs gelang.



Schwachsinn

Als nächstes stand die sogenannte Stationsversammlung an. Sie sollte 20 Minuten dauern. Anhand der angesetzten Dauer, konnte man sich schon denken, daß es nichts sinnvolles sein konnte. Auch die Themenbereiche waren sehr suspekt. Vorstellung der neuen Mitinsassen, organisatorisches und Problembesprechung. Super… und das in 20 Minuten? Wir hockten alle im Gemeinschaftsraum. Alle diensthabenen Ärzte und Pfleger bzw. Schwestern sowie Therapeuten. Es war sehr unruhig und nervig – kurzum chaotisch. Letztendlich wurde nur herumgemotzt – von allen Seiten – dann festgestellt, daß die Zeit um war und wieder waren 20 Minuten meiner kostbaren Lebenszeit für Müll draufgegangen. Klasse – abartiger konnte man seine kostbare Lebenszeit wohl nicht verschwenden.



Realitätsfremd

Für mich fing dann die Phase des Wartens an. Warten darauf, daß ich endlich abgeholt werde um dieser Klinik den Rücken zuzukehren. Damit ich aber entlassen werden konnte, mußte ich mir eine andere Station noch ansehen und mich dort vorstellen. Ich wollte nur noch weg und somit stellte ich mich also dieser Bedingung bzw. mich auf dieser Station vor. Man erklärte mir das Therapiekonzept, welches in meinen Augen nicht wirklich sinnvoll war, und ich durfte dann wieder gehen. Man sagte mir, daß ich mindestens 12 Wochen dort bleiben müßte. Ich tat kund, daß ich mir das sozialpolitisch nicht erlauben könnte, da ich sehen muß, daß ich einen Job finde. Was bringt mir eine „reparierte“ Seele – wobei das ja sehr fraglich war bei diesem Therapiekonzept -, wenn ich hinterher ohne Job dastehe und in Hartz IV hänge?! Zumindest müßte ich die Möglichkeit haben, von Samstag auf Sonntag daheim schlafen zu können und bei Bedarf, also wenn ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werde, dieses auch wahrzunehmen. Die Antwort hierauf war, daß ich mich dann nicht auf die Therapie konzentrieren könnte. Ja.. super.. 12 Wochen Käseglocke und danach der soziale Verfall… Diese Therapeuten haben echt jeglichen Sinn für die Realität verloren. Vor allem, wenn man sich das Therapieprogramm anschaut. 30 Minuten pro Woche Einzeltherapie. 2 x die Woche Gruppentherapie. Der Rest ledigliche Bespaßung und Zeittotschlagen. Hallo? Ganz ehrlich – da ritze ich mir lieber weiterhin in den Arm, hoffe, daß eines Tages der Schmerz vorbei geht und bleibe aber dann noch mit den Beinen im Leben…



Freiheit

Endlich war es soweit. Meine Ma und Walter holten mich ab. Ich packte schnell meine wenigen Habseligkeiten zusammen, verabschiedete mich von der Zimmernachbarin und auch noch schnell von meinem Kicker-Partner Dominik und war froh, daß ich endlich draußen war. „Welt, Du hast mich wieder“. Wir fuhren dann ohne Umwege direkt zu meiner Schwester in die Reha-Klinik. Frei! ICH WAR ENDLICH FREI! Befreit von meiner Traurigkeit war ich allerdings nicht.



Klinik-Tour

Meine Schwester wurde wieder „entblockt“ und somit konnten wir mit ihr ein wenig reden. Wir setzten sie nun komplett davon in Kenntnis, was mit ihr passiert war. Es war schön, wieder ihre Stimme zu hören. Sie übte in der Logotherapie das Essen und Trinken und sie kämpfte sich tapfer durch ihre „Aufgaben“. Auf dem Heimweg bekam ich wieder Angst. Angst vor dem Heimkehren. Angst vor den ganze Erinnerungen. Angst… Angst es nicht zu schaffen und wieder in der Klinik zu landen.



Realität

Als ich daheim abgesetzt wurde, halfen meine Ma und Walter schnell noch meine Sachen ins Haus zu bringen und das erste was ich machte war, daß ich nach meinen Piepmätzen schaute. Ich war entsetzt. Das Licht war abgeschaltet und auch ein paar andere Sachen gingen mir extrem gegen den Strich. Wieder ein Grund, warum ich nicht in Therapie gehen konnte. Meine Vögel würden das wohl nicht überleben. Hätte meine Ma sie alleine versorgt, wäre das kein Problem gewesen, aber ich mußte mich diesmal auf meine Nachbarin verlassen. Verlassen! Aus lauter Frust rief ich meine Ma an. Dummerweise kam dann ein nicht besonders netter Spruch und ich war dann wieder rucki zucki an dem Punkt, wo ich am liebsten wieder aus dem Fenster gehüpft wäre. Aber statt zu hüpfen, beschränkte ich mich aufs „sauer sein“. Ich rief meinen Kumpel aus dem hohen Norden an und auch hier fühlte ich mich nur noch genervt. Zu viele Fragen. Was ich brauchte war eine liebevolle Umarmung… von einer ganz bestimmten Person.



Flashback

Ich machte dann den großen Email-Abruf. Es dauerte eine ganze Weile, bis der ganze Kram runtergeladen war. Das meiste war Müll. Hier und da eine Nachfragemail, wie es mir ging. Keine Mail von meinem Schatz. Natürlich wurde mir dann wieder einiges bewußt und die Sehnsucht wuchs. Ich versuchte mich dann abzulenken, in dem ich  meinen Psycho-Doc anrief und versuchte, den Termin vorzuziehen, der für diese Woche noch anstand. Darüber hinaus versuchte ich ein weiteres Telefonat zu führen... Leider ohne Erfolg. Die Ablenkung half nicht wirklich und ich griff wieder zu meinem Cutter. Gottseidank war es sehr stumpf, so daß vornehmlich Schmerz und kein tiefer Schnitt entstand. Für einen kurzem Moment ging es mir besser. Das Ritzen wie ich es betreibe, kann man mit einem Krallenhieb von einer Katze vergleichen. Mir kam es nicht darauf an tiefe klaffende Wunden zu haben. Mich selbst zu zerstören – auch wollte ich keine Narben zurückbehalten. Mein Ritzen ist eine seltsame Mischung aus Schmerz und Vernunft.

 

Danach rief ich unter Tränen meinen besten Kumpel an. Ich weinte und erzählte ihm, was ich gerade wieder für einen Murks gemacht hatte. Er versuchte mich zu trösten – etwas später ging ich dann, immernoch mit Tränen in den Augen, ins Bett und hoffte, daß ich erstmal durchschlafen konnte.

 


Panthera Tigris

 


von Panthera Tigris - veröffentlicht in: mein Tag, mein Leben - Community: Alltagswahnsinn
Kommentar hinzufügen - Kommentare (0) - empfehlen
Mittwoch, 13. mai 2009 3 13 /05 /2009 19:53



Der Tag fing wieder mit Tränen an. Mein morgendlicher Status bezüglich meines gebrochenen Herzens war nach wie vor unverändert. Ich versuchte mich zusammenzureißen und frühstückte im Frühstückssaal der Klinik. Danach hockte ich mich in den Aufenthaltsraum und kurz darauf kam Thomas mit Äpfeln und Birnen, 2 Schüsseln und 2 Messern rein. Thomas wurde mit richterlichem Beschluß hier eingewiesen – er ist Alkoholiker. Ein ganz normaler Typ – der nette Nachbar von nebenan. Unauffällig. Freundlich. Auf der letzten Patientenversammlung wurde beschlossen, daß am Sonntag ein Kuchen gebacken wird – um die Zeit totzuschlagen und um sich abzulenken. Er hatte sich um alles gekümmert. Auch mich hatte er gefragt, ob ich mich beteiligen wollte – aber ich lehnte ab. Es waren genug andere da, die da helfen wollten. Nun stand er jedoch alleine da mit seinem Back-Programm. Wie immer haben die, die am meisten den Mund aufgerissen haben, den Schwanz eingezogen und sich verdünnisiert – sofern man das hier auf Station überhaupt hinbekommt. Er tat mir leid, denn er hatte die ganze Organisation gewuppt und nun… nun war er zu Recht enttäuscht. Ich hockte mich neben ihn an den großen Tisch und nahm wortlos das Messer und fing an das Obst zu schälen und zu schneiden. Er freute sich sehr, sagte aber nichts. Er wußte auch, daß ich mit dem Messer keinen Unsinn machte. Es war etwas nonverbales, was zwischen Menschen entsteht, die von gewissen Dingen die selbe Ansicht teilen.



Back Datt!

So saßen wir also mit unserem Obst an dem Tisch, schälten und schnibbelten es. Ab und zu kam eins der „Großmäuler“ und gab „Anweisungen“ – die wir ignorierten. Als wir mit dem Obst fertig waren, sagten wir der Stationsschwester bescheid. Wir durften natürlich nicht alleine in der Stationsküche sein, hätten wir uns doch selbst ins Nirvana blasen können mit diversen Gerätschaften, die dort – wie in einer normalen Küche auch – vorhanden waren. Ich beschloss, Thomas weiter zu helfen und wir machten uns dann daran insgesamt 3 Bleche Kuchen zu backen. Einen mit Apfel, einen mit Birne und einen der fast wie ein Käsekuchen war. Innerhalb von 2,5 Std. hatten wir das geschafft. Waren abgelenkt und fühlten uns ganz gut. Ein bisschen Normalität schien ich zu spüren und war auch mit den Gedanken nicht ständig bei meinem Schatz.



Happy Sarcasm

Auf der ganzen Station duftete es nach dem Kuchen. Bevor dieser aber vernascht werden konnte, war es erstmal Zeit für das Mittagessen. Also ging ich wieder in den Speisesaal, mampfte eins der 2 angebotenen Gerichte und verdrückte mich wieder auf die Station. Irgendwann kamen meine Ma und Nina vorbei. Nina hatte bei meiner Schwester mal ein Seminar gemacht und meiner Ma ihren Fahrdienst angeboten – eben damit sie mich oder meine Schwester mal besuchen kann. Sehr lieb von ihr. Wir setzten uns auf eine Bank am Klinikgelände und ich tat mal wieder einen auf lustig. Das lenkte mich ab und meine beiden „Gäste“ hatten Spaß an meinen Humor. Auch einige Mitpatienten von anderen Stationen, die ebenfalls draußen in der Sonne saßen, bekamen meinen Humor mit. Naja. War mir egal. Immerhin war ich ja noch immer im Hotel „zur lockeren Schraube“.



Extreme

Wie locker die Schraube war, wurde mir dann wieder klar, als Mrs. Federboa wieder auftauchte. Die Frau war total durchgeknallt. Halb Punk, halb Grufti. Rasierter Irokese, unglaublich grottige Klamotten an – extremst ordinär und primitiv. Ja, da fühlt man sich doch gleich wohl bei so einem Gesocks. Sie kam öfters auf mich zu und ließ sich über meine Haarfarbe aus. Mein Kopf würde brennen, aber ich hätte ja ein blaues Shirt an, mit dem ich ja löschen könnte. Ich ließ sie links liegen – anfänglich hatte ich ihre verbale Herausforderung mit einem Spruch abgeblockt, aber selbst das war mir vergangen. Egal was sie an Medikamente bekam – die Dosierung stimmte nicht. Auf Station gab es ein Raucherzimmer. Dort hatte sich Madame mit einem weiteren Patienten auf den Tisch gehockt. Sie massierte den Patienten. Mit den Füßen… sein bestes Stück. Klar, daß die anderen Raucher das nicht so toll fanden. Somit wurde kurzerhand Meldung gemacht und es dauerte nicht lange, da wurde Madame von einem Pfleger „abgeführt“. Und das war nur eine der Abartigkeiten, die diese Person veranstaltete… Intim werden ist ja ganz nett, aber bitte dann so, daß sich dadurch andere nicht gestört fühlen. Ich war wirklich froh, daß ich das nur indirekt mitbekommen habe, weil ich ja Nichtraucherin bin und somit auch das Raucherzimmer nicht brauchte und so eine Aktion schon mal gar nicht.



Kicker-Queen

Um wieder etwas Ablenkung zu haben, fragte ich Dominik, ebenfalls eine verkrachte Existenz, ob wir wieder eine Runde Kickern. Er freute sich – fand er doch in mir ein Kicker-Opfer, welches damit leben konnte, immer und immer wieder zu verlieren. Im Verlieren war ich scheinbar wirklich gut. Verlieren ja… aber niemals aufgeben! Überraschenderweise (oder lag es an seiner Medikamenten-Dosis), gewann ich ein Spiel. Ich holte meinen Rückstand von 0:8 auf und mit 2 Schmetterbällen holte ich mir dieses Match. Dominik war ein schlechter Verlierer. Er wollte danach nicht mehr mit mir Kickern. Naja. Für einen jungen Mann wie ihn vielleicht auch nicht einfach, von einer Frau im Kickern geschlagen zu werden, die 15 Jahre älter war als er. Ich wünschte, mein Schatz hätte mich spielen sehen – vielleicht wäre er ja ein bisserl stolz auf seine „Fellnase“… So nannte er mich des öfteren und dieser Kosename war eine verbale Zärtlichkeit, die ich so genoß.



Messerattacke

Kurz darauf kam meine Zimmernachbarin auf mich zu und zog mich wortlos an der Hand in den Essraum der Station. Sie nahm ein dort liegendes Messer, drückte es mir in die Hand und führte meine Hand zu ihrem Bauch und ihrer Kehle. Sie hatte so viel Kraft, daß es mir nicht gelang, meinen Arm zurückzuziehen. Mir wurde ganz anders. Ich konnte meinen Arm dann doch befreien. Versuchte auf sie einzureden, daß sie mich los läßt. Sie drehte sich stumm um. Ich ging schnurstracks zum Stationszimmer und berichtete den Vorfall. Wer weiß, was die kranke Frau nachts mit nem Messer macht, wenn ich schlafe? Ich hatte ab dem Zeitpunkt große – nein größte - Angst. Es war so paradox. Es lagen Messer im Essraum herum. Stumpfe Messer… Ich verstand die Stationsorganisation einfach nicht. Auf der einen Seite sollte man Pinzetten abgeben, fand aber allmögliche anderen Gegenstände, die einem wirklich heftigen Schaden zufügen konnten. Ich wollte nur noch raus da. Es war schlichtweg ein Alptraum.



Angst

Voller Angst schlief ich dann ein. Ich wußte nicht, woran ich denken sollte. Meine durchgeknallte Zimmernachbarin, die unberechenbar war oder an das, was mein Herz so traurig machte… Ein schlimmer Tag mit einer noch schlimmeren Nacht.

 

 


Panthera Tigris



von Panthera Tigris - veröffentlicht in: mein Tag, mein Leben - Community: Alltagswahnsinn
Kommentar hinzufügen - Kommentare (0) - empfehlen
Montag, 11. mai 2009 1 11 /05 /2009 17:41



 

An diesem Morgen wunderte ich mich, weil keiner vom Personal rein kam und lauthals Aufstehen schrie. Ich hatte Glück, daß ich von alleine aufgewacht bin, sonst hätte ich noch das Frühstück verpennt. Ich sah zu, daß ich mich fertig machte, um noch rechtzeitig in den Frühstücksaal zu kommen. Ich bat um die Tür-Öffnung und monierte ale erstes, daß das echt nicht ok ist, daß man nicht geweckt wird. Zumindest hätte man ja erwarten können, daß das kommuniziert wird, daß es eben am Wochenende keinen „Weckdienst“ gibt. Ziemlich genervt ging ich dann in den Frühstückssaal. Holte mir wieder ein Brötchen, etwas Butter, Marmelade und meinen Kaffee. Spartanes Frühstück. Ich setzte mich an einen leeren Platz und sah, wie die Sonne langsam herauskam. Wieder dachte ich an die schönen Vormittage mit meinem Schatz, wenn wir gemeinsam gefrühstückt haben. Noch immer war dieser unsagbare Schmerz in meinem Herzen. Noch immer die Frage, warum er mir das antut. Diese Frage wurde dann kurzerhand dank einer „Labertasche“ zur Seite geschoben. Wieder hängte sich einer von der Station an mich dran. Ich ließ das über mich ergehen und sah zu, daß ich schnell wieder auf die Station kam. Ich bekam eh kaum einen Bissen hinunter und ließ den Rest dann stehen.



Flüchtling

Auf Station angekommen, bat ich um mein Handy und lud es erstmal im Stationszimmer auf. Auch ließ ich mir meine Pinzette aushändigen und machte ein Mini-Beauty-Programm – alles nur zur Ablenkung. Danach gab ich mein Zeug wieder ab und schnappte mir meine Schreibzeug, um meinen Blog weiterzuführen. Zwischendurch nervte mich immer wieder einer der Labertaschen und zwar so sehr, daß ich ihn mit Worten bat, sich in einen anderen Teil der Station zu bewegen. Dann ging das Stationstelefon und es war für mich. Meine Ma. Oh, was tat das gut mit ihr zu reden. Auch sie war noch immer geschockt darüber, wo ich mich befand. Wir plauderten noch eine Weile und ich mußte auch hier der Labertasche von vorher wieder eine klare und deutliche Anweisung geben, seinen „Babbel“ zu halten. Ich verstand nämlich mein eigenes Wort nicht mehr. Echt übel. Meine Ma teilte mir dann noch mit, daß ich heute von Walter abgeholt werden würde – so gegen 13 Uhr. Hoffentlich. „Freigang“ hätte ich dann bis 20 Uhr. Endlich raus hier. Mein Zustand ist heute morgen das erste Mal so, daß ich icht heulend zusammengebrochen bin, was aber nicht heißt, daß ich alles nun verarbeitet habe oder ähnliches. Ich sah es erstmal als emotionalen Stillstand mit ungewisser Tendenz an. Klar, ich muß ständig nach wie vor mit größter Sehnsucht und Traurigkeit an meinen Schatz denken. Warum er mich nicht mal anruft oder eine SMS schickt.…. Warum er mich angeblich nicht mehr „haben“ will. Immer wieder schmerzen die Erinnerungen. Noch so kleinste Bruchstücke unserer gemeinsamen Zeit, ziehen mich zurück in den Strudel der Gedanken. Format C: wäre wohl hier eine gute Lösung. Noch immer haben sich meine Gefühle für ihn nicht geändert. Ich sollte endlich Wut gegen ihn aufbauen – es geht aber nicht – ich sollte ihm meine Meinung geigen, daß er so mit einem anderen Menschen einfach nicht umgehen kann – es geht aber nicht. Meine unendlich tiefe Wunde, die er mir zugefügt hat, sollte mich dazu bewegen, ihn vielleicht sogar zu hassen… richtig zu hassen. Es geht aber nicht. Ich liebe Dich mein Schatz – selbst für das, was Du mir antust und dafür, daß ich wegen Dir und Deinem unfairen, unmenschlichen, Verhalten in der geschlossenen Psychiatrie gelandet bin und Du Dich scheinbar nicht mal mehr an mich erinnerst. Was waren das für Worte, die Du mir Anfang Februar geschrieben hast? Was waren das für Tränen, die Du geweint hattest um mich? Nein – es ist kein Vorwurf in versteckter Form. Es ist kein Versuch des Überredens. Ich möchte Dich einfach nur verstehen und ich möchte vorallem, daß das falsche Bild, welches Du hast – und auch anderen suggeriert hast – verschwindet. Das bin nicht ich. Das weißt Du – das fühlst Du…



Das Warten auf Freigang

Bis Walter mich abholte, wollte ich meine Vorgehensweise in Sachen schnellstmögliche Entlassung vorantreiben, meine Baumblüten nehmen und vielleicht noch eine Runde Gitarre spielen. Viel konnte ich allerdings nicht erreichen, was die Entlassung angeht, lediglich, daß ich es am Montag nochmal „versuchen“ kann. Gitarre spielte ich wieder, bis mir die Finger so schmerzten, daß gar nichts mehr ging.

Walter holte mich dann ab und ich war froh, rauszukommen. Der Besuch bei meiner Schwester war eine schöne Abwechslung – wenn auch mit traurigem Anlaß. Sie ist mittlerweile in der Lage die Arme und Beine etwas zu bewegen. Sprechen kann sie auch, wenn sie „entblockt“ wurde. Dann wird der Ballon vom Luftröhrenschnitt, der sich in ihr befindet, abgelassen und somit strömt wieder Luft über die Stimmbänder. Das Blocken wird gemacht, damit kein Speichel oder Schleim in die Luftröhre gelangt. Leider muß sie nach wie vor über den Luftröhrenschnitt atmen. Sie macht aber riesige Fortschritte und das ist somit unser kleines persönliches „Wunder“.



Tränen die nie trocknen

Als wir den Klinikbesuch beendet hatten, waren Walter und ich noch kurz bei meiner Ma. Ich checkte meine Email am PC, da ich gar nicht erst heim wollte, sondern direkt wieder in die Klinik – ich hatte einfach Angst, daheim wieder zusammenzuklappen. Was ich dann am PC erfuhr, ließ mich trotzdem zusammenbrechen. Mein Herz, eh schon verwundet, schmerzte noch mehr. Erneut wurde es mir herausgerissen. Von jetzt auf gleich baute ich ab. Es ging so weißt, daß ich meinen Schatz versuchte auf dem Handy anzurufen. Ich erreichte ihn und es tat so unendlich gut seine Stimme zu hören. Ich sagte ihm wo ich bin… wo ich genau bin und er nicht denken soll, daß ich durchgeknallt bin. Ich sagte ihm, daß ich ihn vermisse und fragte ihn, ob er mich auch etwas vermisst. Er antwortete mir nur, daß ich doch weiß, daß er solche „gesteuerten“ Fragen nicht mag. Natürlich wußte ich das. Ich kannte ihn so gut. Vielleicht sogar besser, als er sich selbst kennt. Irgendwie spürte ich wieder ein wenig Hoffnung in mir. Woran das genau lag, weiß ich nicht oder ob es nur Einbildung war. Ich wiederholte erneut, daß ich ihn niemals belügen oder betrügen würde und es nicht fair finde, daß er seine Angst hinter etwas versteckt, was nicht wahr ist. Ich fragte ihn, ob wir uns mal sehen könnten und er stimmte zu, in dem er sagte, „Wir könnten uns schon einmal sehen“. Das Gespräch dauerte nicht so lange, denn er war wohl mit anderen Essen und das Essen stand auf dem Tisch. Er müßte wieder rein. Er fragte mich noch vorher, wie es mir geht. Naja. Nicht besonders gut. Wieder sagte ich ihm, daß ich ihn liebe und ihn vermisse – und auch wieder, daß ich ihn nicht betrogen und belogen habe. Nach dem das Gespräch zuende war, brach ich wieder zusammen. Walter brachte mich in die Klinik zurück, wo ich gleich im Stationszimmer landete, da man mir meinen Zustand sofort anmerkte. Eine ganze Weile saß ich dort und weinte. Die Schwester machte mir dann einen Beruhigungstee – der ekelig schmeckte und nichts brachte. Als ich mich dann einigermaßen gefangen hatte, verbrachte ich den restlichen Abend damit etwas zu Kickern. Ich werde immer besser – dann hat mein Ausflug in die Irrenanstalt ja doch noch etwas positives bewirkt.



Gedankenmüll

Meine Mitpatientin, welche auch das Zimmer mit mir teilte, tröstete mich dann etwas und irgendwann war für mich dann dieser Tag auch gelaufen. Das Einschlafen war sehr sehr schwer, da immer wieder die Gedanken um meinen Schatz kreisten. Ich ertrug den Gedanken einfach nicht, daß er vielleicht mit einer anderen Frau… Vielleicht unterstellte er mir ja ein Fremdgehen, weil er mir fremdgegangen ist? Mit seiner Ex? Keine Ahnung. Gedanken gehen seltsame Wege, wenn die Wegbegrenzung wegfällt. Ich hielt an meinem Vertrauen zu ihm fest.

 


Panthera Tigris



von Panthera Tigris - veröffentlicht in: mein Tag, mein Leben - Community: Alltagswahnsinn
Kommentar hinzufügen - Kommentare (0) - empfehlen

Über diesen Blog

  • : Panthera Tigris und das Geheimnis des Leben
  • Panthera Tigris und das Geheimnis des Leben
  • : Tagebuch Liebe Leben Humor Familie Weblogs
  • : Panthera Tigris, eine Frau im besten Alter, gutaussehend, intelligent mit vielen Talenten und... mit 2 gescheiterten Ehen im Lebenslauf. Sarkastisch spiegelt sie ihr Leben und wie sie selbiges meistert (oder auch nicht) auf die ein oder andere Art wider. Panthera Tigris eine Frau, die nicht nur einmal im Leben ihren Mann stehen mußte.
  • Diesen Blog empfehlen
  • Zurück zur Startseite
  • Contact

Kalender

März 2010
M D M D F S S
1 2 3 4 5 6 7
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28
29 30 31        
<< < > >>

Feeds

  • RSS feed of articles

Blog erstellen

Erstellen Sie einen Blog auf OverBlog - Kontakt - Nutzungsbedingungen - Missbrauch melden