Sonntag, 10. mai 2009 7 10 /05 /2009 17:12


 

 

Ich sah, wie mein Schatz mit mehreren Frauen flirtete, wie sie ihn umgarnten und er sich wie ein Hahn im Korb benahm. Laut lachend, Küsse verteilend… Ich stand da und sah zu. Bewegungslos. Wie angenagelt. Das tat so weh. Dann ging die Zimmertür auf und ein Pfleger weckte mich. Das von meinem Schatz war ein Traum. Ein Alptraum. Wieder übermannte mich diese unendlich große Angst und Traurigkeit. Wieder quälte mich die Sehnsucht zu ihm. Wieder weinte ich. Ich versuchte mich zusammenzureißen und machte mich fürs Frühstück fertig. Ab heute mußte im Frühstücksaal essen. Welch eine Ehre – habe ich mich doch gut verhalten und bekam als Belohnung ein bisschen von meiner Freiheit zurück. Ich kam mir vor wie ein Hund, der ein Kunststück gemacht hat und dann einen halbverwesten Knochen hingeworfen bekam. Als ich zur Stationstür ging, merkte ich mehr und mehr, wie ich wieder abbaute. Es ging ruck zuck. Schneller, als ich überhaupt realisieren konnte. Was war nur mit mir los??? Mit meiner Seele und meinem Körper??? Die für mich zuständige Stationsschwester sah mich. Es war die gleiche wie gestern Morgen und zeigte sich sichtlich unbeeindruckt und eiskalt. Mir kullerten die Tränen runter. Wieder der Spruch, da müsse ich halt mal durch. Wieder die Bestätigung, wie fehl am Platze ich hier bin. Ich will nur noch nach Hause. Für andere mag das hier eine Lösung sein. Zugedröhnt mit Medikamenten irgendwie durch den Tag zu kommen. Aber nicht für mich. Ich habe große Magenschmerzen. In der Nacht bin ich sogar davon aufgewacht, ging auf die Toilette und hatte einen unglaublich schmerzhaften Durchfall. Auch etwas, was ich so noch nie erlebt habe. Ich behielt es für mich. Litt still vor mich hin. Keiner sollte merken, daß es mir noch schlechter ging.



Tagtraum

Das Wetter hat sich auch nicht als Bringer entpuppt heute. Ein neuer Tag im Knast. Die Flucht vor dem Nichtstun. Ich bat um meine Baumblütentropfen und mein Handy. Ich versuchte meine Ma anzurufen. Es ging nur der AB dran – auch beim 2. Mal. Meiner Nichte antwortete ich auf ihre SMS. Danach gab ich mein Handy wieder ab. Ging in einen Gemeinschaftsraum und hoffte, daß dort etwas los war. Sofern man das erwarten konnte auf „so einer“ Station. Vorher überlegte ich noch, ob ich meinen Schatz eine SMS schicke, aber ich hatte zu große Angst. Also ließ ich es. Im Gemeinschaftsraum saßen 3 Mitpatienten. Einer von ihnen laberte unentwegt auf mich ein. Irgendwann stand er dann auf und ging. Ich blieb noch einen Moment sitzen, stand dann auch auf und sagte laut „… und da soll man hier nicht beknackt werden…“ und ging auf mein Zimmer. Es dauerte nicht lange, da ging die Tür auf. Ich sollte zur Blutabnahme. Super – wieder etwas, was ich scheinbar hellsehen sollte, denn der Ton war keine Bitte, sondern ein Befehlston, als hätte ich etwas verbrochen. Was für ein beknackter Scheißladen!!! Pardon für meine vulgäre Ausdrucksform, aber so langsam verabschiedete sich auch bei mir die gute Erziehung. Ok, ich begab mich also in die sogenannte „Kanzel“ zur Blutabnahme. Untersucht wurde auf alles Mögliche. Drogen, Hepatitis, Aids, „Fehlbestände“ an Kalium & Co,… Das Ergebnis kriegt der Hausarzt. Ich hätte Veto einlegen können – tat ich aber nicht. Man will sich ja nicht unbeliebt machen. Nicht wahr?



Morgen-Appell

Bis die Oberarzt-Visite, die heute auf der To-Do-List stand, anstand, dauerte es noch eine Weile. Also holte ich mir noch einen Kaffee und starrte auf die schöne Landschaft, die wolkenverhangen im Nebel lag. Ich fühlte mich meinem Schatz plötzlich so nahe. Es war, als sähe ich ihn vor mir. Drehe ich jetzt ganz durch? Ich legte meine rechte Hand auf die Fensterscheibe, mit der anderen hielt ich meine Kaffeetasse fest – vielleicht spürte ich ihn auch? Nein. Natürlich nicht. Eine der Schwestern bat mich dann ins Zimmer zu gehen. Die Schäfchen wurden in den Stall gescheucht, damit der Oberhirte die Schur vollziehen konnte. Der Oberarzt gondelte mit seinem Gefolge durch die Gänge und von Zimmer zu Zimmer. Er fragte, wie es mir ging. Ich antwortete ihm artig. Klar, Hauptthema in den paar Minuten (und das 1 x pro Woche) war die Trennung. Er war relativ nett und sprach mit netter Stimme im Großvater-Modus, wenn man es so nennen kann. Als ich ihm erzählte, daß ich im letzten Sommer mehr erlebt habe und Lebensfreude gespürt habe als in den letzten 6 Jahren in meiner Ehe, kullerten mir wieder die Tränen haltlos über die Wangen. Auch erzählte ich ihm vom Beinahe-Absturz mit meinem Schatz. Wir waren im Oktober mit dem Helikopter in Nebel geraten und es war ganz schön kritisch. Kurz darauf verabschiedete sich der Arzt. Ich konnte ihn gerade noch fragen, ob ich einen Tagesausflug mit meiner Mutter zu meiner Schwester in die Reha-Klinik machen darf. Er sagte, daß er es eintragen läßt und somit hatte ich wieder ein Stück meiner Freiheit zurück erobert – und wenn es nur für ein paar Stunden war.



Besuch aus der normalen Welt

Ich dachte darüber nach an der anstehenden Beschäftigungstherapie teilzunehmen. Bevor es aber soweit war, bat ich nochmals um mein Handy und rief eine Nachricht von meiner Mailbox ab. Es war meine Ma, die mir mittteilte, daß sie und Walter bald vorbeikommen. Jetzt wußte ich leider nicht genau wann. Ich wollte auch nicht, daß wenn sie ankommen, auf mich warten müssen, weil ich in der Bespaßungsgruppe hockte. Also wartete ich von kurz nach zehn bis halb zwölf am Fenster gegenüber vom Stationszimmer. Es war auch noch die Zeit, wo es was zu Spachteln gab. Vorsorglich informierte ich mich darüber ob Besucher auch mit in den Speisesaal durften. Glücklicher weiße war das o.k. Als meine Ma und Walter ankamen, war das Gefühl sehr beklemmend. Ich merkte, daß meine Ma geschockt realisierte, wo ich mich befand. Ich hatte ihr m Vorfeld bereits gesagt, daß ich hier völlig fehl am Platz bin. Anfangs sah sie das scheinbar nicht so. Nicht weil sie meinte ich wäre in der geschlossenen Psychiatrie gut aufgehoben, sondern weil sie gar nicht realisiert hatte, wo ich hingebracht worden bin. Sie meinte genauso wie ich, daß ich „nur“ ins Krankenhaus kommen würde. Jedenfalls waren die beiden nun da und ich war, zumindest für einige Zeit „unter Normalos“.  Wir gingen in den Speisesaal wo ich mir dann Käsespätzle aussuchte. Eigentlich sahen die recht gut aus, aber seit wann kippt man da Tomatensoße drüber? Wieder ein Indiz dafür, daß es hier nicht mit rechten Dingen zuging. Diese Perversität lehnte ich ab und mümmelte mir kurz darauf meine Spätzle rein. Neben mir saßen meine Ma und Walter. Nebenbei erzählte ich dann von dem, was ich hier so erleben … oder besser gesagt, ertragen … mußte. Nach dem „Lunch“ gingen wir ins gegenüberliegende Café. Eigentlich nett eingerichtet. Eigentlich. Die gammeligen Tulpen auf den Tischen warn nicht so der Hit. Zumindest waren die Preise human. Wir saßen eine ganze Weile dort, als dann „Hr. Ruby“ ein schizophrener Mitpatient, herein kam. Wir konnten gerade noch verhindern, daß er sich zu uns setzte. Diese Labertasche brauchte ich jetzt nicht wirklich. Alle Drei kamen wir zu der Erkenntnis, daß ich so schnell wie möglich hier raus mußte, denn sonst würde ich bescheuert werden. Meine Ma hatte noch ein paar Sachen mitgebracht, u.a. meine Gitarre mit Notenbüchern. Ein wenig Normalität und Vertrautheit, was mir gut tat. Nachdem meine Ma und Walter wieder gefahren waren, ließ ich mir meine Gitarre aushändigen, die ich zuvor beim Stationsteam abgegeben hatte, damit ihr nichts passiert. Im Raum, wo ich mich hin zurückziehen wollte, waren noch 2 Personen und ich mußte noch einige Zeit warten, bevor ich „abschalten“ konnte. Ich packte meine Gitarre aus und fing an zu spielen. Es tat so unheimlich gut. Nach einiger Zeit saßen drei weitere „Insassen“ dabei, was mich nicht störte. Als ich solange gespielt hatte, bis mir meine Finger schmerzten, packte ich meine Gitarre wieder ein und brachte sie wieder in Sicherheit. 2 der anwesenden Schwestern lobten mein Spielen und meinten, ich würde toll singen. „Naja, fürs Lagerfeuer reicht es….“, sagte ich und erinnerte mich an das, was mein Schatz zu mir sagte, als er mich das erste mal spielen und singen hörte. Er war total hin und weg und sagte sanft, wie schön es gewesen sei… es war glaube ich Dirty Old Town von den Pogues, was ich damals spielte und sang. Die Erinnerung an seinen Blick und seine Worte, stachen mir tief ins Herz.



Kicker-Queen und Erinnerungen

Eigentlich sollte ich am Abend, so gegen 17 Uhr, nochmal Besuch kriegen. Bis dahin nahm ich an der Therapiegruppe „Gedächtnistraining“ teil. U.a. schnupperten wir an zweckentfremdeten Urinbechern, die diverse Duftstoffe enthielten. Es war eine ganz nette Sache, die einen dabei half, kurz zu vergessen, wo man war… und vor allem warum. Ich fragte mich aber, was das mit Gedächtnistraining zu tun hat… oder gar mit irgendeiner Art einer „Therapieform“. Die Gruppe war zuende  und ich hockte mich in die Nähe vom Stationszimmer hin. Wieder einmal. Wieder versuchte ich das Gefühl zu haben, im Dunstkreis von „Normalos“ zu sein. Außerdem konnte ich so gut mitbekommen, ob mein Besuch kam. Es wurde später und später. Es kam die Abendbrotzeit und ich ging wieder in den Speisesaal, aß etwas und hatte wieder das Pech, daß mir eine der schizophrenen Labertaschen auf den Keks ging. Mich würde es nicht wundern, wenn ich noch schlimme Verdauungsstörungen deswegen bekomme. Ich war fertig mit dem Essen und ging dann wieder auf die Station und ließ mich wieder „einsperren“. Um die Zeit zu überbrücken, hockte ich mich erst in den großen Gemeinschaftsraum und später in meine ehemalige Luxus-Suite – dem Kickerraum. Zusammen mit einigen „Labertaschen“ spielte ich dann ein paar Kicker-Matches. Ich dachte viel an meinen Schatz, denn wir hatten zu Silvester auch gekickert. Ich hatte mich ziemlich blöd angestellt damals und hatte sogar etwas Angst, daß er mich deswegen nicht lieb hat, weil ich mich eben so tussig angestellt hatte. Naja. Nun stellte ich aber fest, daß ich wirklich gut kickern konnte. Wenn mich mal eines Tages jemand fragt, was mir die geschlossene Psychiatrie gebracht hat, dann kann ich zumindest behaupten, daß ich eine brillante Kickerin geworden bin. Super oder? Anfangs war es natürlich sehr schwer für mich, mit dem Kickern, eben wegen dem letzten Silvester. Immer wieder mußte ich daran denken, wie ich versehentlich die gegnerischen Stangen habe bedienen wollen, oder wie blöd ich geschaut habe, wenn mal wieder ein Schmetterer quer übers Feld direkt ins Tor flog und ich kaum hinterher kam mit dem Tempo. Ja und natürlich an den Spaß, den wir hatten. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit. Es war… wie aus einem anderen Leben. Es war ein wunderschönes Silvester im Kreise seiner Familie. Ich zwang mich dazu, nicht mehr daran zu denken, was aber sehr sehr schwer war. Die Zeit verging und auch mein Besuch hatte mich versetzt, was ich sich schon sehr selbstredend fand. Nicht mal eine kurze Absage. Naja. Dann eben nicht. Eigentlich wollte mich Micha, der Gutachter, besuchen. Aber eigentlich war es auch ok, daß er nicht kam. Ich war eigentlich sogar froh darüber, wenn ich genauer darüber nachdenke. Nur hätte er zumindest absagen können – das finde ich, gehört zum guten Ton. Leider habe ich in letzter Zeit einfach zu oft erfahren müssen, daß manche Menschen überhaupt keine menschliche Art und Weise an den Tag legen können – oder wollen – oder sie legen bewußt ein falsches Bild an den Tag und lügen, um sich selbst oder anderen etwas einzureden.



Ein Gefühl von Normalität – mehr oder weniger

Dann wechselte ich wieder meine Location und siedelte in den TV-Raum rüber und schaute mir „Schillerstraße“ an. Auch hier hatte ich kurz das Gefühl, normal zu sein. Bevor ich aber TV schauen konnte, mußte ich das Kicker-Match unterbrechen. Es stand nämlich noch das tägliche Gespräch bezüglich des Befindlichkeitsprotokolls an. Natürlich hatte die böse Panthera nicht dran gedacht und der für mich zuständige Pfleger sprach mich darauf an. Normalerweise mußte man selbständig daran denken und den Kram ausfüllen. Der Pfleger hatte aber Glück, denn er machte einen netten Eindruck auf mich. Also sah ich zu, daß ich das Gespräch mit ihm schnell über die Bühne brachte. Auch ihm erzählte ich, daß es mir eben morgens immer sehr schlecht geht jetzt. Und auch er ließ ansatzweise Hoffnung aufflammen in mir. Gegen 23 Uhr ging ich dann auch ins Bett. Meine beiden Zimmernachbarinnen schliefen schon – eine von den dreien war entlassen worden, drum waren wir „nur“ noch zu dritt. Jedenfalls dachte ich, daß die 2 schon schliefen, denn kaum hatte ich meinen Einschlafseufzer gemacht, jammerte eine der beiden herum, stand auf und kramte laut in ihren Habseligkeiten, die wild in Plastiktüten verteilt in ihrem Bereich herumflogen. Dann lief sie ständig mit ihren schweren Stiefeln im Zimmer umher, ging raus, kam rein, Licht an, Licht aus. Super! ich bin ja sehr geduldig und verständnisvoll. Dann stand die andere Patientin auch noch auf. Fast das selbe Muster. So langsam war ich genervt. Darüber hinaus randalierte noch eine weitere Mitpatientin auf dem Flur. Oh Mann! Wenn das so weiter geht… dann kam die eine Patientin, die die zuerst aufgestanden war, wieder rein und unkte herum. Ich sprach sie an und fragte sie, ob das jetzt die ganze Nacht so weitergehen soll und das ich damit nicht einverstanden bin. Sie brabbelte etwas und schob die Schuld auf die randalierende Patientin auf dem Flur. Ich merkte schnell, daß hier Reden sinnlos war. Als ich noch überlegte, was ich nun tun konnte, damit ich meine Ruhe habe, war die Zimmernachbarin wieder verschwunden. Ich sackte wieder leicht in den Schlaf – Klar, daß dann kurz drauf die Tür wieder aufgerissen wurde. Diesmal war es aber jemand vom Nachtdienst und gerade als die Schwester wieder rausgehen wollte, fragte ich höflich nach, wie man die Situation hier in den Griff bekommen kann. Sie würde sich darum kümmern. Na hoffentlich. Ich hatte vor dieser Zu-Bett-Geh-Story noch ein wenig mit meinem besten Kumpel telefoniert. Ich befand mich, dadurch das ich Ausgangsstatus hatte, vor der Stationstür, die nur mittels Schlüssel vom Personal zu öffnen ging. Irgendwann kam einer von der Nachtschicht und mockerte mich an, daß das nach 20 Uhr nicht gern gesehen wird. „ja, danke. Du mich auch“, dachte ich mir. Ich wußte nur, daß Stationsruhe um 23 Uhr war – nirgends stand, daß ich mit Ausgangsstatus vor 23 Uhr auf der Station sein mußte. Vollidioten! Egal. Ich ging dann mit einem Handy eben auf die Station und telefonierte dann von dort aus weiter. Es tat mir richtig gut. Es dauerte nich lange, da bekam ich den nächsten Rüffel von diesem Typen. Ich sollte doch nun mal aufhören zu telefonieren. Halloooooo????!!!!! Ich glaube, der konnte es nicht verstehen, daß mir ein Telefonat mit einem normalen Menschen mehr half als die Giftmüll-Drops, die sie den Insassen abends routinemäßig verabreichten, damit sei eine ungestörte ruhige Kugel (miteinander) schieben konnten. Ich beendete da Gespräch mit meinem besten Kumpel und gab mein Handy wieder ab. Ich konnte es mir nicht verkneifen, noch einen Satz an den Typen loszuwerden. Statt ihm zu sagen, er soll doch bitte mein Handy in mein Fach legen, sagte ich, daß er mir doch bitte meine Nachtmedikation in mein Fach legen soll und drückte ihm mein Handy in die Hand. Er guckte mindestens genauso blöd wie eine Kuh wenn’s donnert. Ich grinste ihn an und sagte in einem bestimmenden Ton „DANKESCHÖN“, drehte mich um und ging in meine Zelle… pardon… in mein Zimmer.

 


Panthera Tigris


 

 

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Samstag, 9. mai 2009 6 09 /05 /2009 09:13




Die Nacht hatte ich nicht wirklich gut geschlafen. Immer wieder wachte ich auf. Auch schnarchte eine der drei Zimmernachbarinnen dermaßen laut, daß das nun wirklich nicht mehr lustig war. Als mir dann wieder bewußt wurde, wo ich war und warum, nämlich in der geschlossenen Psychiatrie und auch das mein Schatz für mich unendlich weit weg war, kamen mir die Tränen gleich wieder hoch. Folge: Nervenzusammenbruch, bevor ich die Augen richtig aufmachen konnte. Einer der drei Zimmernachbarinnen fragte mich dann, ob sie einen von den Pfleger holen sollte; ich stimmte zu. Die etwas pummelige, für mein Zimmer zuständige Stationsschwester, kam und hörte sich meine Geschichte an. Sie reagierte mit einer Art „Was aus ist, ist aus, daß muß ich halt akzeptieren…“ Super. Blöde Kuh. Die hatte doch echt keine Ahnung. Ich machte mich dann etwas frisch und aß auf der Station mein Frühstück. Danach hatte ich noch etwas Zeit und saß noch im Esszimmer der Station. Ein Mitpatient laberte mir dann die Ohren voll. Typisch für Schizophren-Patienten. Naja. Zumindest war der Kaffee auf der Station einigermaßen genießbar – aber auch nur bis 16 Uhr, denn danach gab es keinen mehr. Nicht weil er dann leer war, sondern weil man verhindern wollte, daß die „Insassen“ zu aufgedreht in die Nacht gehen. Super.



Ich bin ein Berg - ja nee, is klar!

Noch immer bin ich mir nicht sicher, was ich hier überhaupt soll. Um 9 Uhr war dann sowas wie eine Pflichtgruppe angesagt, an dem jeder auf Station teilnehmen mußte. Muß ja was riesiges sein, wenn da so Wert drauf gelegt wird; dachte ich. Statt der erhofften seelischen Hilfe, bekam ich die Bestätigung, daß mein Aufenthalt hier lediglich zur Hirnverblödung beitrug und sonst nichts. Ich sollte mir vorstellen, ich sei ein Berg. Super. Ich bin ein Berg  -oooooooooooooooooooom-. Was soll der Mist? Bin ich auf Wellness-Tripp für gestresste Manager oder was? Hallo? Ich habe ein wirkliches Problem und brauche keine Entspannungsübung. Ich verlor mich in meinen Gedanken an meinen Schatz. Atmete nicht richtig und mir kullerten die Tränen über die Wangen. Es hat keine Sau interessiert. Ich glaube, ich hätte genauso gut tot umfallen können… es hätte keinen interessiert, weil ja jeder ein „Berg“ war. Ich war froh, als dieser Kram zuende war. Danach zog mich Labertaschen-Jim vom Frühstück mit zu einer Entspannungstherapiegruppe, die nicht wesentlich besser war. Naja. Irgendwie mußte ich ja die Zeit hier rumkriegen. Später lief ich dann wie Falschgeld auf dem Gang herum und spielte Dekoration. Eine der Schwestern fragte dann, ob alles ok sei und ich sagte „nein – nicht wirklich“. Sie bot mir dann an, daß wir eine Runde spazieren gehen. Ich nahm das Angebot dankend an und wir gingen raus. Sogar auf das Klinikgelände, wo ich als Insasse dieser geschlossenen Station eigentlich gar nicht hingedurft hätte. Wir setzten uns auf eine Metallbank und ich erzählte nun zum 5. Mal meine traurige Geschichte. Sie zeigte wesentlich mehr Mitgefühl und gab mir ein wenig Hoffnung. Wir gingen wieder auf die geschlossene Station. Klingelten und wurden in die „Abteilung“ hereingelassen. Welcome back in jail. Es war zwischenzeitlich dann schon Essenszeit und ich mümmelte mir ein Kassler mit Kraut und Kartoffeln rein. Super. Ich hatte vegetarische Kost „bestellt“. Naja… zumindest hat das Schwein evtl. vorher vegetarische Kost bekommen. Danach hockte ich mich wieder auf die Fensterbank an das große Fenster gegenüber des Stationszimmers. Da war wenigstens was los und ich hatte das Gefühl, nicht nur unter schizophrenen Menschen zu sein. Dann fiel mir ein, daß es hier wohl eine Gitarre auf Station gab. Die holte ich mir. Sie war grauenvoll und auch grauenvoll verstimmt. Ich brauchte unglaublich lang, bis ich aus dem abgewrackten Teil einigermaßen ein paar Klänge herausschrebbeln konnte. Die Gitarre hatte ihren Zustand dem der Insassen hier scheinbar angepaßt. Nur gut, daß ich Gitarren stimmen kann. Ich zog mich in einen der Therapieräume zurück und versuchte etwas zu spielen. Ich glaube ich spielte 1 oder gar 2 Stunden. Danach taten mir die Finger dermaßen weh, daß einfach nichts mehr ging. Egal. Ich hatte mich etwas ablenken können. Ich gab die Gitarre wieder ab und spielte anschließend wieder Dekoration auf dem Gang. Kommentar eines Pflegers der Station „das machen Sie richtig gut…“ Es war schon ein tolles Gefühl, wenn andere Patienten der Klinik heimlich durch die Glastür guckten und sich wohl dachten, au weia… da sind die ganzen Psychos eingesperrt… gut so“



Audienz im Hotel zur lockeren Schraube

Später kam mich Walter besuchen – er war geschockt, als er hörte, wo ich war. Tja, da war er nicht der Einzige. Wir gingen in den Patienten-Garten. Garten ist extremst übertrieben. Es war ein Innenhof, der mit Betonplatten gepflastert war – ein bisserl Grünzeugs, ein paar Sitzgelegenheiten und Unmengen von Aschenbechern. Wir sprachen etwas über den (Un)Sinn meines Aufenthaltes hier. Walter gab mir dann etwas Bargeld, damit ich mir mal etwas aus der Cafeteria holen konnte. Ich investierte jedoch 10 Euro in die Pfandgebühr für einen Schrankschlüssel, damit ich zumindest meine Sachen wegsperren konnte. Hier wurde man nicht nur als Gaga eingestuft, sondern auch noch ordentlich beklaut, wenn man nicht aufpaßte. Nachdem ich dann meinen Schlüssel hatte und alles weggesperrt hatte, spielte ich erneut Gangdeko und wartete dann auf mein Abendmahl. Ich bekam dann überraschenderweise Besuch von Micha. Micha hat seinerzeit mal die schimmelnden Dachplatten in unserem Rohbau begutachtet und daher kannten wir uns. Er hatte über Umwege erfahren, daß ich in der Klinik war. Ich war nicht besonders erfreut über den Überraschungsbesuch, zumal mir das doch alles sehr peinlich war. Gottseidank hielt er es nicht lange aus – auch mit ihm saß ich im Patientengarten. Hauptsache ich war wieder etwas abgelenkt. Er gehörte aber zu der Sorte Menschen, die schon nach kurzer Zeit sehr anstrengend wurden im Gespräch. Letztendlich war ich dann auch wieder froh, als er ging.



Ein Hauch von Normalität
- wenn Kleinigkeiten plötzlich an Wert gewinnen

Ich trabte wieder auf mein Zimmer und tataaaaaaaa das war dann wohl Tag 2 in der geschlossenen Psychiatrie. Suuuuper! Ein großer Wunsch von mir ist, daß mein Schatz vielleicht mal vorbei kommt. Aber das wird wohl ein unerfüllter Wunsch bleiben. Ich nutzte dann noch die Möglichkeit um zu duschen. Natürlich war auch hier alles so, daß es alles andere als freundlich und einladend war. Es war irgendwie ekelig und kalt… auch hier war ich dann froh, als ich dann wieder „draußen“ war. Dann folgte noch das abendliche Reflexen des Gemütsprotokolls mit der Bezugsperson.. So wie es aussieht, werde ich wohl doch 7 Tage hier bleiben. Naja. Ich bin mal gespannt, wie es morgen früh ablaufen wird, wenn ich aufwache und die Realität mich wieder einholt. Am späteren Abend setzte ich mich noch in den Essraum. Einige Mitpatienten schauten sich Fußball an. Ich hockte mich also daneben und guckte ebenfalls Fußball. Jetzt fehlten nur noch ein paar Chips und ein Radler. Diesen Gedanken sprach ich dann laut aus und schon rückte einer der „Mithäftlinge“ eine Tüte Chips raus. Na also. Geht doch. Dazu gabs noch eine Tafel Schokolade – statt Radler, denn hier waren auch einige, die auf Entzug hier waren. Da fühlt man sich doch richtig wohl, oder? Die Tüte Chips war leer, die Schoki bis auf den letzten Krümmel weggefuttert und das Spiel auch aus. Nun war auch der Tag zu Ende für mich und ich ging ins Bett; mit der Angst im Nacken, daß ich am nächsten Morgen wieder aufwache und weine, weil mich der Mensch, den ich über alles liebe, nicht „erkennt“, wie ich wirklich bin.

 


Panthera Tigris



von Panthera Tigris - veröffentlicht in: mein Tag, mein Leben - Community: Alltagswahnsinn
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Mittwoch, 6. mai 2009 3 06 /05 /2009 19:01



Kontaktversuch

Der Tag fing wieder mit vielen Tränen wegen meinem Schatz an. Ich habe versucht mit ihm zu telefonieren. Ich erreichte ihn erst nicht – später schon. Wieder einmal weinerlich versicherte ich ihm erneut, daß ich ihn nicht belogen oder betrogen habe. Ich hatte Glück, den er legte nicht sofort auf. Das Telefonat dauerte fast 30 Minuten. Er hörte mir zu, sagte aber dann auch, anfangs, als ich ihn bat, daß wir uns aussprechen, was mir das bringen würde. Ich wollte einfach nur, daß er die wahre Panthera, nämlich die, die er kennen und lieben gelernt hat, wieder findet. Er sagte mir wieder, daß er alleine bleiben möchte und ich erwiderte, daß er doch alle Freiheiten behalten kann und auch niemals hätte aufgeben müssen (was er ja auch nicht getan hat). Auch erzählte ich ihm, daß er sich nachts an mich heran gekuschelt hatte und Nähe gesucht hat. Wie immer sagte er nicht viel. Ich entschuldigte mich dann bei ihm noch für das Verhalten von meinem besten Kumpel, denn er hatte ihm ja gestern eine wohl, wie mein Schatz sagte, unverschämte, Mail geschickt. Ich versuchte ihm zu erklären, daß mein bester Kumpel sich einfach nur Sorgen gemacht hatte. Mein Schatz bekam auch einen Anruf von ihm, legte aber wohl sofort auf. Mailtechnisch hat er ihn nun geblockt. Er meinte auch, daß ich ja nichts dafür kann. Später schickte ich ihm noch eine Mail.



Dolch im Herzen

Als ich in unserem Portal online war, sah ich, daß er seinen Status von „verliebt“ auf „sag ich nicht“ geändert hatte. Als ich das sah, gab es mir einen tiefen Stoß ins Herz. Der Vormittag war schlimm für mich – sehr schlimm. Ich weinte nur noch und rief meine Ma an. Der Abend zuvor war ja auch schon sehr extrem und emotional, da ich nur noch geschrien und geweint habe. Mein Kumpel hatte meinem Schatz ja diese Mail geschickt. Meine Ma versprach mir, daß sie vorbei kommt. Sie hat weder Auto noch Führerschein und sie ist immerhin schon 68 – mal eben mit dem Bus fahren ist auch nicht drin. Dort wo ich wohne fährt gerade 2 x am Tag ein Bus. Logischerweise zu einer Zeit, die nicht wirklich ins Gewicht fällt. Irgendwann kam sie dann auch. Sie hatte allen Mut zusammen genommen und ihr Fahrrad geschnappt um zu mir zu kommen. Ich war noch immer im Schlafanzug und hatte mich wieder ins Bett gelegt. Meine Heulkrämpfe gegen die ich so tapfer gekämpft hatte die letzten Tage, kamen immer mehr und heftiger. Meine Ma hatte bevor sie zu mir losfuhr, bei meinem Hausarzt angerufen, damit mir dieser später einer Beruhigungsspritze gibt. Ich lag weiterhin im Bett. Zwischendurch besorgte meine Ma eine Breze für mich, die ich nicht mal ganz gegessen hatte. Wieder Tränen. Irgendwann schlief ich kurz ein, wachte dann wieder auf und schlief dann wieder ein. Dazwischen immer Tränen der Verzweiflung. Irgendwann kam dann der Arzt. Hörte sich meine Geschichte an, die ich ihm unter Tränen erzählte und meinte, daß es klar auf Borderliner geht und ich am besten in die Klinik gehen sollte. Ich wollte aber nicht in die Klinik. Alles nur das nicht. Kurz darauf bekam ich dann die „Leck-Mich-Am-Arsch“-Spritze und akzeptierte willen- und entscheidungslos, daß er mich in eine Klinik einwies. Es hieß, ich komme für 1 oder 2 Nächte ins Krankenhaus. Ok, damit hätte ich ja leben können. Meine Ma holte noch meine Nachbarin hinzu und sie packten ein paar Sachen zusammen. Meine Ma sagte mir vorher noch, nachdem ich ihr von dem kurzen Telefonat mit meinem Schatz erzählt hatte, daß ich meine Gefühle für ihn ja nicht aufgeben muß. Aber was wäre das dann? Eine einseitige Sache. Und ich weiß, eben weil er mir das so wundervoll bewiesen hat, daß er mich liebt und ich ihm nicht egal bin und eben meine Nähe gesucht hat. Immer wieder gefragt hatte, ob wir noch zusammen sind.



Psycho-Falle

Ich setzte noch ein paar Mails an die mir wichtigen Menschen ab, damit sie wissen, daß ich die nächsten 2 Tage nicht zu erreichen bin. Auch setzte ich meinen Rechtsanwalt davon in Kenntniss und auch das Arbeitsamt. Sorgsam wie ich nun mal bin um nicht noch mehr Probleme als ohnehin schon vorhanden sind, zu bekommen. Meine Nachbarin wies ich dann noch halbwegs in die Versorgung meiner 16 Vögelchen ein und ich merkte immer mehr, daß ich richtig dusselig im Kopf wurde. Die Spritze wirkte. Ein ganz wichtiges Ding stand aber noch an und ich versuchte so klar wie möglich zu bleiben. Ich rief meinen Schatz nochmal auf dem Handy an. Er ging dran. Als er merkte, daß ich es war, sagte er etwas genervt meinen Spitznamen. Ich sagte ihm, daß ich in die Klinik muß, weil es mir nicht so gut geht, er sich aber keine Sorgen machen soll und es auch nicht wieder danach aussehen soll „sieh her, ich bin hilflos, komm zurück…“ Mittel zum Zweck. Als er das mit der Klinik hörte, hörte ich aus seiner Stimme und Reaktion heraus, daß er etwas besorgt war. Zumindest klang es so für mich und ich spürte es auch irgendwie. Ich sagte ihm noch, daß er immer einen Weg zu meinem Herzen hat, daß ich ihn vermisse und das ich ihn liebe. Als er Krankenwagen kam, packte ich meine Taschen und saß kurz darauf im Krankenwagen. Es wurde noch geprüft, ob die Klinik in der Region mich aufnehmen könnte. Nachdem es grünes Licht gab, verabschiedete sich meine Ma von mir und ich wurde in die Klinik gefahren. Ich sackte mehrmals zusammen auf der Fahrt. Bei der Ankunft in der Klinik und auf der Station wurde mir klar, daß ich nicht einfach ins Krankenhaus kam, sondern das ich mich in einer geschlossenen Psychiatrie befand. So tief bin ich also nun schon gesunken. Da saß in nun wie ein verschrecktes, zugedröhntes und weinerliches Häufchen Elend. Eine der Stationsschwestern nahm sich meiner an und begann mit der Aufnahme.



Hinter Gittern - Who's watch over you, when I'm gone?

Auch wurden meine Taschen durchsucht. U.a. mußte ich mein Handy abgeben. Nun war jeglicher Kontakt zur Außenwelt weg. Ich war eingesperrt. Ich wollte niemals in einer geschlossenen Psychiatrie landen. Nun war also nicht nur mein Herz gebrochen, sondern auch mein Stolz und mein Überlebenswille. Ich fühlte mich als absoluter Totalversager. Es kam noch hinzu, daß ich das erste Mal in meinem Leben mit schwer psychisch gestörten Menschen in Kontakt kam. Davor hatte ich immer Angst. Die Station war generell düster und grau. Abstoßend. Schreie, Türenknallen, Mitpatienten die in Trance durch die Gänge eierten und einen leeren Blick hatten. All das machte mir große Angst und sorgte nicht gerade für einen Wohlfühlfaktor. Bevor mir mein Zimmer zugewiesen wurde, sprachen die 2 Stationsärztinnen mit mir. Ich erzählte, warum es mir momentan so schlecht ging – natürlich auch wieder unter Tränen. Anschließend folgte eine Körperuntersuchung. Dann wurde mir gesagt, wie lang mein Aufenthalt hier dauern sollte. Minimum 7 Tage. No-Way!!!, dachte ich mir. Das Gespräch war beendet und ich durfte dann mein Zimmer betreten. Dort wo zuvor noch 2 Patienten mit dem Kicker im Aufenthaltsraum gespielt hatten, stand nun ein Bett drin. Das war meins. Super. Ich hatte also in einem Aufenthaltsraum mein Bett stehen. Der Raum ist riesengroß und kalt. Nichts an der Wand, unfreundlich, abgehaust. 2 Box-Säcke waren an der Wand, auf die schon wohl jahrelang eingedroschen wurde – so sahen sie jedenfalls aus. Ein weiteres und zweifelhaftes Highlight war, daß die Stationswäscherei ebenfalls ihre Eingangstür in diesem Raum hatte. Ich brauche nicht zu erwähnen, daß alle anderen Zimmer eine Nasszelle hatten. Mein Luxusappartement hatte sowas natürlich nicht. Ich bat einen Betreuer um Papier und einen Stift, damit ich zumindest vorab meinen Blog weiterschreiben konnte. Einige Zeit später kam eine andere Stationsschwester auf mich zu – bzw. in mein Waschmaschinen-Kicker-ohne-Nasszelle-Königreich, welches ich ganz alleine regieren durfte. Meine Untertanen, 2 Boxsäcke, hielten sich vornehm zurück. Als sie mich fragte, wie es mir geht, sagte ich ihr gleich, alles andere als gut. Sie sagte mir dann, daß der Oberarzt mich noch kennenlernen will und ich mit ihm auch noch wegen der Dauer meiner Residenz im „Hotel zu lockeren Schraube“ sprechen könnte. Ich überlegte mir schon einen passenden Satz was die Unterbringung anging – vergaß ihn aber dann auch gleich wieder – mein Kurzzeitgedächtnis war irgendwie völlig im Eimer. Kurz darauf kam dann der Obermotz der Station vorbei, hörte mich an, guckte auf die Uhr, würgte das Gespräch ab und verschwand. Er meinte dann noch, daß ich mindestens eine Woche dort bleiben müßte. Ne, nix da, mein schmaler Freund! Nicht mit mir! Das sagte ich natürlich nicht – dachte es mir nur, denn ich hatte Angst, daß die das dann als Aggression werten und mich dann noch fixieren und mit Tavor & Co. vollpumpen. Also hielt ich meinen Mund, wie immer, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle und mich nicht traue, etwas zu sagen. später mußte ich noch ins Stationszimmer und wurde wieder mit Fragen bombardiert. Danach durfte ich dann etwas essen auf der Station. Ich bekam etwas Brot, Aufschnitt und Butter. Ich hatte verständlicherweise starken Unterzucker, denn ich hatte bis auf das Stück Breze nichts an dem Tag gegessen. Da saß ich nun und mümmelte an meinem Brot herum. Ab und an kamen mal ein paar „Mitinsassen“ und guckten, wer denn die Neue sei bzw. schrien irgendwas. Ich versuchte mich auf das Essen zu konzentrieren. Es war der stationseigene Essraum – wo alle die Essen mußten, die unter keinen Umständen aus der Station raus durften – und ich eben auch.



Ich will hier raus!

Nun ging es mir so richtig mies. Ich sagte der mir zugeteilten Stationsschwester klipp und klar, daß ich hier kaputter rausgehen werde, als ich reingekommen bin. Ja, ich war ehrlich und direkt. Half mir aber auch nichts. Ich wurde irgendwie belächelt. Ich kam mir vor, als würde ich eine andere Sprache sprechen. Wenn ich richtig zugedröhnt gewesen wäre, dann wäre mir das wohl auch alles egal gewesen und ich hätte mich unter Umständen sogar richtig wohl gefühlt.. aber so bei halbwegs klarem Bewußtsein, war es die Hölle hier eingesperrt zu sein. Highlight! Ich durfte später mein Handy für eine kurze Zeit haben. Ich rief als erstes Meine Ma an. Sie war mit den Hunden bestimmt gerade draußen, denn der AB sprang an. Dann versuchte ich meinen besten Kumpel zu erreichen, aber auch er war nicht da. Traurig gab ich mein Handy wieder ab und begab mich auf meine Luxus-Suite. Die Schwester die das Aufnahmegespräch geführt hatte, schloß mein Zimmer auf und sah mir scheinbar an, wie begeistert ich war. Sie redete etwas von Auszeit nehmen und auf mich schauen. Ja danke… Ich sagte ihr, daß ich es daheim besser hätte – dort habe ich nur phasenweise Tiefpunkt und hier war der Tiefpunkt ein Dauerzustand. Sie redete noch ein wenig auf mich ein – und ob ich nicht doch ein paar Medikamente nehmen möchte… Von wegen! Und ich will nach wie vor nicht 7 Tage hier bleiben. Ich hockte mich auf mein Bett und schrieb an meinem Blog weiter. Der Stationsschwester sagte ich auch noch, was mir wirklich helfen würde aus diesem ganzen Schlammassel rauszukommen. Ein Gespräch. Ein ganz bestimmtes. Mit dem Auslöser meiner wohl schwersten Lebenskrise, die ich je erfahren mußte.



Nur ein schlechter Film?

Nein. Leider nicht. Auch keine Fernbedienung zur Hand, mit der ich das Programm umstellen konnte. Einige Zeit später kam dann die sogenannte „Ansprechperson“ und ging mit mir den „Tagesbefindlichkeitsplan“ durch. Auch ihr erzählte ich, was mir mein Schatz bedeutet und was es mit dem Auszeitwochenende und den Folgen daraus auf sich hatte. Kurz bevor ich an die Stelle kam, wo mein Schatz Schluß machen wollte, kam die andere Stationsschwester rein und sagte, es sei für mich jemand am Telefon. Es war meine geliebte Ma. Als ich dann kurz darauf fertig war mit Telefonieren, ich hatte meiner Ma erzählt, wie „supertoll“ hier alles war, sie entsprechend schockiert, kam ein Notfall rein. Dieser wurde dann in mein Zimmer verlegt. Mich schob man kurzerhand in ein 3-Bett-Zimmer und machte daraus eine enges 4-Bett-Zimmer. Ganz großes Kino! Mit 3 Menschen in einer Sardinenbüchse eingepfercht. Das war doch mal eine Steigerung des Wohlbefindens meinerseits. Zumindest hatte ich jetzt eine Nasszelle. However – ich wollte so schnell wie möglich wieder raus hier – zumal ich jetzt auf wenige Qudratmeter mit Menschen eingepfercht war, vor denen ich Angst hatte, weil ich nicht wußte, wie sich deren geistige Störung austobten. Das was ich bisher mitbekommen hatte, hatte mir echt Angst gemacht. Ich kauerte mich unter meine viel zu dünne Bettdecke und hoffte, daß ich irgendwann einschlafen kann und die Schreie auf dem Flur nicht mehr mitbekomme.

 

 


Panthera Tigris

 



von Panthera Tigris - veröffentlicht in: mein Tag, mein Leben - Community: Alltagswahnsinn
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Mittwoch, 6. mai 2009 3 06 /05 /2009 12:47


 

Heute Morgen stand ich um 6 Uhr auf. Wieder rannen mir die Tränen übers Gesicht – wegen meinem Schatz. Wieder rief ich seinen Namen und hoffte, daß er mich hört. Mein Herz hört, welches so leidet, ihn so schmerzlich vermißt.


 

Knock Out

Ich versorgte kurz meine Vögel und machte mich dann fertig, denn heute war der OP-Termin für meine Collie-Dame. Sie sollte ja die Zähne nachgesehen bekommen, da sie unter Eiter standen. Ich sammelte meine Ma und meinen Hund, der ja bei meiner Ma lebt, ein und wir fuhren zum Tierarzt. Dort angekommen warteten wir noch eine Weile und gingen dann in den Keller des Hauses, wo die OP-Räume waren. Jessy bekam eine Beruhigungsspritze und man warnte uns vor, daß sie sich zu 99% übergeben wird. Sie wurde ruhiger und es dauerte nicht lange, da entleerte sie ihren Magen auf dem Boden der Praxis. Sie wurde zunehmens duseliger und lag zum Schluß auf der Seite. Es war schon ein merkwürdiges Gefühl, zu sehen, wie so ein liebes Seelchen immer „schwächer“ wird und einfach umfällt. Naja. Umgefallen ist sie ja nicht, aber es war trotzdem ein komisches Gefühl. Wir litten wohl mehr als die kleine Butz.



Hiobs-Botschaft

Als die kleine eingeschlummert war, machten wir uns auch auf den Heimweg – gegen 11.30 Uhr sollten wir dann in der Praxis anrufen und nachfragen, ob wir sie abholen könnten. Manche Doggies sind kurz nach einer OP sofort wieder fit – gerade wenn sie eine Gas-Narkose bekommen – andere brauchen ewig, um ihren Rausch auszuschlafen. Wir machten uns also wie gesagt auf den Heimweg. Auf halber Strecke merkte ich, wie mein Handy ging und anhand der Nummer sah ich, daß es der Tierarzt war. Das war kein gutes Zeichen. Ich fuhr sofort rechts ran und setzte den Warnblinker. Dann kam die Hiobsbotschaft. Als man die kleine Butz auf den OP-Tisch legte, stellte man fest, daß eine übelriechende schleimige Flüssigkeit aus ihrer Scheide tropfte. Das hatten wir nicht bemerkt – sie hatte sich wohl immer sauber geleckt und legte auch sonst keine auffälligen Verhaltensweisen an den Tag. Man schaute der Kleinen in die Gebärmutter und stellte fest, daß diese extremst entzündet war. Die einzige Möglichkeit die Kleine zu retten war eine sofortige Entfernung ihrer Gebärmutter. Wir stimmten dem Eingriff zu. Das hat uns nun auch noch gefehlt. Die Sorge um die kleine Maus war eh schon groß genug. Jetzt noch dieser schwere Eingriff, von dem wir nicht wußten, ob sie sie überlebt – immerhin ist sie ja auch schon eine betagte Dame. Darüber hinaus konnten wir auch damit rechnen, daß die Not-OP gleich nochmal so hoch zu Buche schlagen würde. Es waren knapp 800 Euro, die uns später berechnet wurden. Nur gut, daß mein bester Kumpel mir 100 Euro als Aufmunterung geschenkt hatte, die ich nun wirklich sinnvoll investieren konnte.



Warten

Meine Stimmung war verständlicherweise noch gedrückter als ohnehin schon. Auch der Spontanbesuch meiner Nachbarin, half mir da nicht weiter. Gegen Mittag rief meine Ma in der Tierarztpraxis an, um sich nach dem Zustand unserer kleinen Maus zu erkundigen. Sie wurde in allerletzter Sekunde sozusagen gerettet. Glücklicherweise hat sie die OP gut überstanden und wir könnten sie gegen 17 Uhr abholen. Die Zeit bis dahin verbrachte ich am PC.



Krankentransport

Als wir die kleine Maus abholten, lag sie bereits auf einer Decke hinter dem Empfangstresen der Praxis. Auch hatte sie ihre „Satelittenschüssel“ bereits um. Diese großen Plastik-Trichter, die verhindern sollen, daß das Tier an die frische Wunde geht. Sie war noch recht benommen, hatte uns aber sofort erkannt und eierte uns mit ihrer Satelittenschüssel entgegen. Die arme kleine Butz. Wir luden die Kleine vorsichtig ins Auto und fuhren zu meiner Ma. Ich kam noch kurz mit rein und machte mich dann auch auf den Heimweg. Der Abend sollte noch anstrengend und sehr emotional weder für mich – als ob der Tag nicht schon gereicht hätte.



Warum läuft alles gegen mich?

Eigentlich war der Abend wie jeder andere auch in der letzten Zeit. Dann erfuhr ich von einer Email, die mein bester Kumpel meinem Schatz wohl geschickt hat. Obwohl er genau wußte, daß ich das nicht wollte, weil ich genau wußte, daß mein Schatz dann „zu macht“, schickte er sie trotzdem. Ich war außer mir. Panik und Wut stiegen in mir hoch. Wie konnte er mein Vertrauen so missbrauchen. Klar, er sah wie ich Tag für Tag unter der Situation litt und nicht nur seelisch, sondern auch körperlich abbaute. Aber er wußte auch, daß ich das einfach nicht wollte. In Panik versetzt, versuchte ich meinen Schatz zu erreichen. Ohne Erfolg. Ich schrieb ihm eine verzweifelte Mail, in der ich ihm erklärte, daß er bitte nicht denken soll, daß es von mir gesteuert ist. Ich wollte nicht, daß er erneut etwas falschen von mir denkt. Das war er von mir dachte, war schon schlimm genug. Ich war so wütend, so verzweifelt. Ich wurde wieder kurzatmig, schrie nach dem warum und das ich doch schon genug gestraft worden bin. Warum das nun auch noch? Es folgte dann noch ein längeres Telefonat mit einem Menschen, dem ich sehr vertraute und der meinen Schatz und mich gut kannte. Dieser Mensch meinte auch, daß mein Schatz abgeschlossen hatte, was mich noch mehr in Panik versetzte. Ich verstand einfach nicht, warum alle von mir dachten, ich sei ein Flittchen, eine Hure, die sich jedem Kerl an den Hals wirft? Warum misstrauten mir alle? Ich habe niemals jemanden betrogen und belogen. Ja, ich hatte Angst, daß mein Schatz eine Affäre hinter einer Freundschaft wittern würde. Ich hätte es genauso offiziell handhaben sollen, wie er seine spezielle Beziehung zu seiner Ex-Freundin pflegte – habe ich aber nicht – weil es eben kein Ex-Freund von mir war. Leute! Bitte seht in mir doch die Panthera, die ich wirklich bin und nicht die, die durch unglückliche Umstände unter dem Schatten steht, sie hätte belogen und betrogen. Das habe ich bei Gott nicht. Ich kann mir morgens noch im Spiegel in die Augen schauen und weiß, daß ich das nicht getan habe. Warum sind meine Ma, mein bester Kumpel, meine Freundin aus Wien und ich, die einzigen, die es scheinbar auf dieser Welt wissen – natürlich weiß es auch der Kumpel, bei dem ich war… er ist der einzige, der es leibhaftig bezeugen kann – aber auch ihm würde mein Schatz wohl nicht glauben, weil er denkt, es wäre eine Ausrede. Was soll ich nur tun?



Verletzungen
Wimmernd vor Schmerz in der Seele und im Herzen, lag ich im Bett – versorgte noch meinen Unterarm, denn dieser mußte mal wieder daran glauben, daß ich mit der ganzen seelischen Belastung nicht klar kam. Die Wunden waren nur oberflächlich – glichen eher Kratzer, die man bekommt, wenn man sich mit einer wütenden Katze angelegt hat… Irgendwann schlief ich dann ein.

 


Panthera Tigris



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Mittwoch, 6. mai 2009 3 06 /05 /2009 12:09

Es war Ostermontag und nein, – österlich war mir nun wirklich nicht zumute. In der Früh stand ich auf, weinte wieder und war nach wie vor in tiefer Sehnsucht verloren. Ich trank meinen Kaffee, zog mich an und sah zu, daß ich die restlichen persönlichen Sachen von meinem Noch-Ehemann zusammengesucht bekam, denn wir hatten für 12 Uhr eine Übergabe vereinbart. Damit ich nicht alleine dastehe, habe ich mir Rückenstärkung besorgt. Meine Ma und Walter bat ich, mir beizustehen und als Zeugen zu fungieren. Außerdem wußte ich, daß mein Noch-Ehemann ebenfalls mit „Verstärkung“ anrücken würde. Wäre ich alleine gewesen, hätte er sich nicht zurückgehalten und sich nötigenfalls mit Gewalt Zutritt ins Haus verschafft. Ich kenne ihn einfach zu gut und weiß genau, wozu er in der Lage ist, wenn ich ihm mehr oder weniger alleine ausgeliefert bin. Dieses Risiko wollte ich einfach nicht eingehen.



Gefangenen-Austausch

Natürlich war Mr. Gehirn-Nix alles andere als pünktlich. Aber irgendwann trudelte er dann doch ein. Er stank wie ein Iltis auf Brautschau. Noch immer hat er nicht kapiert, daß 2 Spritzer Parfum völlig ausreichend sind – er parfümierte sich der Intensität nach zu urteilen 20 x ein. Jedenfalls hatte ich fast schon einen Belag auf der Zunge von seinem Duft. Aber egal. Nach und nach lud er sein Gerümpel ein und bevor er nun noch das Gerüst von seinem Vater einsackte, ließ ich ihn das Übergabeprotokoll und eine weitere Vereinbarung unterzeichnen. Er zickte herum und ich sagte ihm, ok, die anderen Sachen hast Du ja jetzt, dann belassen wir es dabei und er kann mit seinem Anwalt plaudern. Alternativ unterschreibt er mir den Kram. Widerwillig unterzeichnete er das Formular und bekam dann das olle Gerüst.



Klinik-Tour

Ich war erleichtert, als das einigermaßen über die Bühne gewuppt war. Anschließend brachte Walter meine Ma und mich wieder zu meiner Schwester in die Reha-Klinik. Wieder war sie etwas kräftiger und aktiver, was uns natürlich sehr sehr freute.



Abendstunden

Letztendlich hing ich dann, weil ich an meinem Blog auch wieder weitertippte, bis 2 Uhr vorm PC. Ja… andere lagen jetzt an ihren Schatz gekuschelt im Bett, liebten einander,… und ich.. ich glotzte in diesen Kasten und hatte wahnsinnige Sehnsucht nach meiner großen Liebe.

 

 


Panthera Tigris




 

 

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