Montag, 11. mai 2009 1 11 /05 /2009 17:41



 

An diesem Morgen wunderte ich mich, weil keiner vom Personal rein kam und lauthals Aufstehen schrie. Ich hatte Glück, daß ich von alleine aufgewacht bin, sonst hätte ich noch das Frühstück verpennt. Ich sah zu, daß ich mich fertig machte, um noch rechtzeitig in den Frühstücksaal zu kommen. Ich bat um die Tür-Öffnung und monierte ale erstes, daß das echt nicht ok ist, daß man nicht geweckt wird. Zumindest hätte man ja erwarten können, daß das kommuniziert wird, daß es eben am Wochenende keinen „Weckdienst“ gibt. Ziemlich genervt ging ich dann in den Frühstückssaal. Holte mir wieder ein Brötchen, etwas Butter, Marmelade und meinen Kaffee. Spartanes Frühstück. Ich setzte mich an einen leeren Platz und sah, wie die Sonne langsam herauskam. Wieder dachte ich an die schönen Vormittage mit meinem Schatz, wenn wir gemeinsam gefrühstückt haben. Noch immer war dieser unsagbare Schmerz in meinem Herzen. Noch immer die Frage, warum er mir das antut. Diese Frage wurde dann kurzerhand dank einer „Labertasche“ zur Seite geschoben. Wieder hängte sich einer von der Station an mich dran. Ich ließ das über mich ergehen und sah zu, daß ich schnell wieder auf die Station kam. Ich bekam eh kaum einen Bissen hinunter und ließ den Rest dann stehen.



Flüchtling

Auf Station angekommen, bat ich um mein Handy und lud es erstmal im Stationszimmer auf. Auch ließ ich mir meine Pinzette aushändigen und machte ein Mini-Beauty-Programm – alles nur zur Ablenkung. Danach gab ich mein Zeug wieder ab und schnappte mir meine Schreibzeug, um meinen Blog weiterzuführen. Zwischendurch nervte mich immer wieder einer der Labertaschen und zwar so sehr, daß ich ihn mit Worten bat, sich in einen anderen Teil der Station zu bewegen. Dann ging das Stationstelefon und es war für mich. Meine Ma. Oh, was tat das gut mit ihr zu reden. Auch sie war noch immer geschockt darüber, wo ich mich befand. Wir plauderten noch eine Weile und ich mußte auch hier der Labertasche von vorher wieder eine klare und deutliche Anweisung geben, seinen „Babbel“ zu halten. Ich verstand nämlich mein eigenes Wort nicht mehr. Echt übel. Meine Ma teilte mir dann noch mit, daß ich heute von Walter abgeholt werden würde – so gegen 13 Uhr. Hoffentlich. „Freigang“ hätte ich dann bis 20 Uhr. Endlich raus hier. Mein Zustand ist heute morgen das erste Mal so, daß ich icht heulend zusammengebrochen bin, was aber nicht heißt, daß ich alles nun verarbeitet habe oder ähnliches. Ich sah es erstmal als emotionalen Stillstand mit ungewisser Tendenz an. Klar, ich muß ständig nach wie vor mit größter Sehnsucht und Traurigkeit an meinen Schatz denken. Warum er mich nicht mal anruft oder eine SMS schickt.…. Warum er mich angeblich nicht mehr „haben“ will. Immer wieder schmerzen die Erinnerungen. Noch so kleinste Bruchstücke unserer gemeinsamen Zeit, ziehen mich zurück in den Strudel der Gedanken. Format C: wäre wohl hier eine gute Lösung. Noch immer haben sich meine Gefühle für ihn nicht geändert. Ich sollte endlich Wut gegen ihn aufbauen – es geht aber nicht – ich sollte ihm meine Meinung geigen, daß er so mit einem anderen Menschen einfach nicht umgehen kann – es geht aber nicht. Meine unendlich tiefe Wunde, die er mir zugefügt hat, sollte mich dazu bewegen, ihn vielleicht sogar zu hassen… richtig zu hassen. Es geht aber nicht. Ich liebe Dich mein Schatz – selbst für das, was Du mir antust und dafür, daß ich wegen Dir und Deinem unfairen, unmenschlichen, Verhalten in der geschlossenen Psychiatrie gelandet bin und Du Dich scheinbar nicht mal mehr an mich erinnerst. Was waren das für Worte, die Du mir Anfang Februar geschrieben hast? Was waren das für Tränen, die Du geweint hattest um mich? Nein – es ist kein Vorwurf in versteckter Form. Es ist kein Versuch des Überredens. Ich möchte Dich einfach nur verstehen und ich möchte vorallem, daß das falsche Bild, welches Du hast – und auch anderen suggeriert hast – verschwindet. Das bin nicht ich. Das weißt Du – das fühlst Du…



Das Warten auf Freigang

Bis Walter mich abholte, wollte ich meine Vorgehensweise in Sachen schnellstmögliche Entlassung vorantreiben, meine Baumblüten nehmen und vielleicht noch eine Runde Gitarre spielen. Viel konnte ich allerdings nicht erreichen, was die Entlassung angeht, lediglich, daß ich es am Montag nochmal „versuchen“ kann. Gitarre spielte ich wieder, bis mir die Finger so schmerzten, daß gar nichts mehr ging.

Walter holte mich dann ab und ich war froh, rauszukommen. Der Besuch bei meiner Schwester war eine schöne Abwechslung – wenn auch mit traurigem Anlaß. Sie ist mittlerweile in der Lage die Arme und Beine etwas zu bewegen. Sprechen kann sie auch, wenn sie „entblockt“ wurde. Dann wird der Ballon vom Luftröhrenschnitt, der sich in ihr befindet, abgelassen und somit strömt wieder Luft über die Stimmbänder. Das Blocken wird gemacht, damit kein Speichel oder Schleim in die Luftröhre gelangt. Leider muß sie nach wie vor über den Luftröhrenschnitt atmen. Sie macht aber riesige Fortschritte und das ist somit unser kleines persönliches „Wunder“.



Tränen die nie trocknen

Als wir den Klinikbesuch beendet hatten, waren Walter und ich noch kurz bei meiner Ma. Ich checkte meine Email am PC, da ich gar nicht erst heim wollte, sondern direkt wieder in die Klinik – ich hatte einfach Angst, daheim wieder zusammenzuklappen. Was ich dann am PC erfuhr, ließ mich trotzdem zusammenbrechen. Mein Herz, eh schon verwundet, schmerzte noch mehr. Erneut wurde es mir herausgerissen. Von jetzt auf gleich baute ich ab. Es ging so weißt, daß ich meinen Schatz versuchte auf dem Handy anzurufen. Ich erreichte ihn und es tat so unendlich gut seine Stimme zu hören. Ich sagte ihm wo ich bin… wo ich genau bin und er nicht denken soll, daß ich durchgeknallt bin. Ich sagte ihm, daß ich ihn vermisse und fragte ihn, ob er mich auch etwas vermisst. Er antwortete mir nur, daß ich doch weiß, daß er solche „gesteuerten“ Fragen nicht mag. Natürlich wußte ich das. Ich kannte ihn so gut. Vielleicht sogar besser, als er sich selbst kennt. Irgendwie spürte ich wieder ein wenig Hoffnung in mir. Woran das genau lag, weiß ich nicht oder ob es nur Einbildung war. Ich wiederholte erneut, daß ich ihn niemals belügen oder betrügen würde und es nicht fair finde, daß er seine Angst hinter etwas versteckt, was nicht wahr ist. Ich fragte ihn, ob wir uns mal sehen könnten und er stimmte zu, in dem er sagte, „Wir könnten uns schon einmal sehen“. Das Gespräch dauerte nicht so lange, denn er war wohl mit anderen Essen und das Essen stand auf dem Tisch. Er müßte wieder rein. Er fragte mich noch vorher, wie es mir geht. Naja. Nicht besonders gut. Wieder sagte ich ihm, daß ich ihn liebe und ihn vermisse – und auch wieder, daß ich ihn nicht betrogen und belogen habe. Nach dem das Gespräch zuende war, brach ich wieder zusammen. Walter brachte mich in die Klinik zurück, wo ich gleich im Stationszimmer landete, da man mir meinen Zustand sofort anmerkte. Eine ganze Weile saß ich dort und weinte. Die Schwester machte mir dann einen Beruhigungstee – der ekelig schmeckte und nichts brachte. Als ich mich dann einigermaßen gefangen hatte, verbrachte ich den restlichen Abend damit etwas zu Kickern. Ich werde immer besser – dann hat mein Ausflug in die Irrenanstalt ja doch noch etwas positives bewirkt.



Gedankenmüll

Meine Mitpatientin, welche auch das Zimmer mit mir teilte, tröstete mich dann etwas und irgendwann war für mich dann dieser Tag auch gelaufen. Das Einschlafen war sehr sehr schwer, da immer wieder die Gedanken um meinen Schatz kreisten. Ich ertrug den Gedanken einfach nicht, daß er vielleicht mit einer anderen Frau… Vielleicht unterstellte er mir ja ein Fremdgehen, weil er mir fremdgegangen ist? Mit seiner Ex? Keine Ahnung. Gedanken gehen seltsame Wege, wenn die Wegbegrenzung wegfällt. Ich hielt an meinem Vertrauen zu ihm fest.

 


Panthera Tigris



von Panthera Tigris - veröffentlicht in: mein Tag, mein Leben - Community: Alltagswahnsinn
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  • : Panthera Tigris, eine Frau im besten Alter, gutaussehend, intelligent mit vielen Talenten und... mit 2 gescheiterten Ehen im Lebenslauf. Sarkastisch spiegelt sie ihr Leben und wie sie selbiges meistert (oder auch nicht) auf die ein oder andere Art wider. Panthera Tigris eine Frau, die nicht nur einmal im Leben ihren Mann stehen mußte.
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