Heute wachte ich auf und spürte als erstes meinen Muskelkater. Aber von was kam der? Doch nicht vom Spazierengehen? Vielleicht war es
ja auch die Fahrt zu meiner Schwester, die mich in den Armen so angestrengt hatte? Vielleicht habe ich mir auch nur Zug geholt. Egal. Keine Ahnung. Jedenfalls fühlte ich mich wie gerädert und ich
bemühte mich wieder einmal nicht zu weinen und schluckte meinen Tränen runter. Es war wie immer hart, wenn ich morgens aufstand. Nicht aus Müdigkeit, sondern aus tiefster Traurigkeit heraus. Es
folgte Kaffee, Birdies versorgen, PC und das übliche Telefonat mit meiner Ma und meinem besten Kumpel.
Viagra-Club
Ich fühlte mich trotz der lieben Worte meiner Lieben, einsam. Ich klickte mich mal wieder in die Singlebörse rein, in der ich durch
meinen Kumpel angemeldet worden bin. Nach wie vor bin ich der Auffassung, daß dieser ganze Kram eine reine Abzocke ist und hauptsächlich paarungswillige Vollidioten „beinhaltet“. Da ein recht
attraktives Bild (bzw. Bilder) von mir dort online ist, hatte ich ein entsprechend überlaufendes Postfach. Nahezu 100% Viagra-Großabnehmer, wie es schien. Ich klappte das alles zu und rupfte
meine Gitarre aus der Ecke und schräbbelte eine Weile auf ihr herum. Diesmal machte es mir nicht wirklich Spaß und ich fuhr zu meiner Ma. Ich fühlte eine Unruhe in mir und irgendwie mußte ich
einfach raus aus meinen 4 Wänden.
Der kleine Horrorladen
Es war mal wieder soweit, daß wir Lebensmittel einkaufen mußten. Derzeit nach wie vor ein Horrorszenario für mich, denn es sind auch
hier so viele, noch so kleinste Erinnerungen, die tiefe Wunden wieder aufreißen. Der Frühstücksspeck im Kühlregal, die Kiste Tomaten, der Seranoschinken, die Kinder-Countrys, das Ciabatta-Brot,
die Black-Tigers… Alles erinnerte mich an ihn. An uns. Ich kämpfte mit den Tränen und kam mir echt blöd vor. Die anderen Einkäufer mußten denken, daß mir beim Anblick der Preise die Tränen in die
Augen schießen. Eigentlich war mir egal was sie dachten. Ich wollte nur so schnell wie möglich raus aus dem Laden. Gibt es keinen Supermarkt-Drive-In?
Practice makes perfect
Abends chattete ich dann noch etwas länger mit einem Ami – zum
Zeitvertreib. Wir plauderten über Obamas Hund, über deutsche Politiker, über Frauen sind Zicken, Männer sind Schweine… und natürlich über gebrochene Herzen. Es war wieder eine nette Übung, mein
Englisch weiter auf dem Laufenden zu halten. Ich war teilweise erstaunt, wie leicht mir die Worte fielen. Viele Vokabeln, die ich längst verloren glaubte, waren wieder da. Mein Denkapparat war
gefordert und konnte sich mal nicht mit dem Herzschmerz auseinandersetzen – diese Pause tat gut, machte aber auch sehr hungrig. Ich schnabbulierte dann noch gegen halb 1 in der Nacht frisches
Brot, welches meine Ma gebacken hatte. Dazu noch etwas gute Musik (Alter Bridge) und es war bis auf eine kleine fehlende Zutat, fast ein Abend nach meinem Geschmack.
Panthera Tigris
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