Ich öffnete die Augen – sie waren leer – keine Träne wagte sich heute Morgen an meinen Wangen lautlos
hinunter zu kullern. Obwohl die Tränen es nicht schafften, war noch immer diese Traurigkeit in mir. Und wie jeden Morgen versuchte ich mich erst mit Telefonaten (mit meiner Ma und dann mit meinem
besten Kumpel) „hoch zu ziehen“. Es war, als ob meine Tränen eingefroren waren – Sie waren noch immer da.
Verhandlungsgeschick
Nachdem ich meinen Kaffee getrunken, mich kultiviert hatte und meine Vögel versorgt hatte, stand mal
wieder etwas Ärger ins Haus. Ein privater Darlehensgeber wollte kurzfristig einen großen Teil seines Geldes zurück haben. Nun. Die Vereinbarung stand, daß ich es erst zurückzahlen brauche, wenn
ich wieder in Brot und Arbeit stehe. Ich machte ihm klar, daß selbst wenn ich wollte, gar nicht an das Geld herankommen könnte, da mir meine Bank meinen Dispo gekündigt hat. Es folgte eine
unschöne Ausseinandersetzung – erst via Mail – dann via Telefon. Allerdings ging ich als „Siegerin“ hervor, da ich nunmal mit einem diplomatischen Gespür gesegnet bin. Zumindest konnte ich das
Problem mehr oder weniger von mir abwenden. Ich wünschte, bei anderen Sachen und Situationen wäre es genauso.
Klinik-Tour
Ich verbrachte den Vormittag wieder am PC, schrieb an meinem Blog und packte noch die Krankmeldung in
die Post. Mittags fuhr ich zu meiner Ma und aß etwas. Saß im Garten und versuchte wieder einmal alles zu verdrängen, was mir Kummer machte. Heute wollten wir wieder zusammen mit Walter zu meiner
Schwester in die Klinik fahren. Bevor wir fuhren, wandte Walter aber noch die Körbler-Therapie bei mir an. Part Two sozusagen und es ging ans Eingemachte. Ich hoffe so sehr, daß das hilft, denn
mir geht es überhaupt nicht gut… emotional und körperlich merke ich es eben auch schon sehr. Klar. Hier und da raffe ich mich auf, verdränge, schubse weg, klebe dicke Pflaster auf mein Herz –
aber das sind nur halbherzige „Rettungsversuche“ für mein Herz und meine Seele. Als wir bei meiner Schwester ankamen, vorher hatten wir dank einer
Umleitung eine Irrfahrt hinter uns gebracht, mußten wir uns erstaunlicherweise wieder steril abschotten. Kittel, Handschuhe, … es hat sich
herausgestellt, daß meine Schwester von der Intensivstation einen Bakterienstamm mitgebracht hat, den man erst 4 Wochen später „entdeckt“ hat. Während unseres Besuchs blieb sie im Bett. Ich
denke, es liegt daran, daß sie evtl. sonst die restliche Station „kontaminieren“ könnte. Sie bekommt nun Antibiotika, damit den Viechern der Garaus gemacht wird. Mein Schwesterchen machte einen
recht genervten Eindruck – verständlich. Meine Ma nahm zwischenzeitlich den Termin bei der Sozialstation der Klinik wahr, um noch einige Infos zu bekommen, was den späteren Ablauf – also nach
Reha-Klinik – angeht. Na irgendwie wird das alles schon gehen. Da Walter einen Termin hatte, meine Ma noch mit den Hunden raus mußte, blieben wir nicht so lange bei meiner Schwester. Als wir
gingen, sah sie ein wenig traurig aus. Aber wir kommen ja auch wieder. Meine Ma fährt Übermorgen wieder mit einer Nachbarin hin.
Quite amazing
Walter setzte uns ab und ich fuhr auch gleich mit meinem Autochen heimwärts. Ich hockte mich wieder vor meinen PC – man könnte wirklich meinen, daß ich ein PC-Junkie bin – vielleicht bin ich das… mittlerweile geworden, denn er lenkt eigentlich ganz gut ab. Zur Krönung telefonierte ich dann eine ganze Weile mit dem Ami, mit dem ich letztens gechattet hatte. Er erzählte mir einiges von seiner letzten Beziehung und er fragte mich etwas aus, wie Frauen ticken – er wollte eigentlich nur seine Ex-Freundin besser verstehen und ich tat ihm den Gefallen und gab hier und da meinen Senf dazu. Ich versuchte natürlich neutral zu bleiben, aber das ist auch nicht immer einfach, gerade, wenn man selbst großen Herzschmerz hat … Immer wieder dachte ich an meinen Schatz, was er wohl gerade macht, wie es ihm geht… Als ich „müde genug“ war, schlurfte ich in mein Bettchen. Ich lag ein paar Minuten drin und dann kam all das hoch, was am Morgen sich verweigert hatte. Ich ließ meinen Gefühlen freien lauf. Um mich vielleicht paradoxerweise etwas ruhiger zu halten, wollte ich einen Trick anwenden. Den Trick, die Gefühle und alles was damit zusammenhängt, in einer anderen Sprache auszudrücken und da ich eben nur Englisch als Fremdsprache kann, heulte ich Rotz und Wasser…. Eben in Englisch. Es war erstaunlich was für ein Wortschwall aus mir heraussprudelte. Ich versuchte fast schon einen Dialog mit meinem Schatz auf Englisch. Mein Gott – ich bin echt durchgeknallt jetzt oder?
Panthera Tigris
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